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Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Ein Charakterisierung-Beispiel zeigt, wie eine Figur in vier Schritten beschrieben wird: Einleitung, äußere Merkmale, innere Merkmale mit Textbelegen und ein abschließendes Urteil. Der Text steht im Präsens, bleibt sachlich und stützt jede Aussage auf eine Textstelle.
Kurzantwort: Eine Charakterisierung nennt Eigenschaft, Textbeleg und Deutung in dieser Reihenfolge. Gegliedert wird sie in Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Das Wichtigste in Kürze
- Zeitform ist das Präsens.
- Jede Eigenschaft braucht einen Beleg aus dem Text.
- Direkte und indirekte Charakterisierung wechseln sich ab.
- Das Schlussurteil fasst das Wesen der Figur zusammen.
Was ist eine Charakterisierung?
Nach der Wikipedia bezeichnet der Begriff die Darstellung von Personen in erzählenden Zusammenhängen. Ist die Person erfunden, spricht man von einer literarischen Figur. Das Verfahren heißt auch Charakterschilderung und kam seit dem 18. Jahrhundert in Gebrauch. Der Duden führt das Verb „charakterisieren“ mit der Bedeutung, etwas oder jemanden in seiner Eigenart zu beschreiben.
Im Deutschunterricht steht meist eine Figur aus einer Kurzgeschichte, einem Roman oder einem Drama im Mittelpunkt. Die Aufgabe lautet dann etwa: „Charakterisiere den Protagonisten.“ Verlangt wird eine geordnete Darstellung, die Deutung und Beleg verbindet.
Aufbau einer Charakterisierung im Überblick
Der Aufbau folgt einem festen Muster. Die folgende Tabelle zeigt die Bausteine und ihren Zweck.
| Teil | Inhalt | Umfang |
|---|---|---|
| Einleitung | Titel, Autor, Textart, Situation, Name der Figur | 2 bis 4 Sätze |
| Hauptteil A | Äußeres, Alter, Herkunft, soziale Stellung | ein Absatz |
| Hauptteil B | Charakter, Verhalten, Sprache, Beziehungen | zwei bis drei Absätze |
| Schluss | Gesamturteil und Rolle in der Handlung | 3 bis 5 Sätze |
Vor dem Schreiben lohnt eine Stoffsammlung. Notieren lassen sich Zitate mit Zeilenangaben, Handlungen und Aussagen anderer Figuren über die betreffende Person. Aus dieser Sammlung entstehen später die Absätze des Hauptteils.
Direkte und indirekte Charakterisierung unterscheiden
Die Wikipedia beschreibt zwei Wege. Bei der direkten Charakterisierung nennt der Text Eigenschaften ausdrücklich, zum Beispiel durch den Erzähler oder durch eine andere Figur. Bei der indirekten Charakterisierung müssen Leser selbst Schlüsse ziehen, und zwar aus Handlungen, Worten und Reaktionen.
Ein Beispiel: „Paul war ein ängstlicher Junge“ ist direkt. „Paul zog die Schultern hoch und wartete, bis alle den Raum verlassen hatten“ ist indirekt. Aus dem zweiten Satz lässt sich Schüchternheit ableiten. Gute Charakterisierungen sammeln beide Arten und ordnen sie nach Merkmalen.
Charakterisierung Beispiel: Musterlösung Schritt für Schritt
Als Grundlage dient eine erfundene Kurzgeschichte mit der Figur Paul, einem Schüler der achten Klasse. Die Musterlösung zeigt, wie ein Absatz aufgebaut ist.
Einleitung
„In der Kurzgeschichte „Der letzte Platz“ von Anna Berger, erschienen 2019, steht der Schüler Paul im Mittelpunkt. Er wechselt mitten im Schuljahr an eine neue Schule und versucht, dort Anschluss zu finden. Im Folgenden wird Paul charakterisiert.“
Äußeres und Lebenssituation
„Paul ist 13 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung. Sein Äußeres wird kaum beschrieben. Der Erzähler erwähnt nur die „viel zu große Jacke“ (Z. 4), die auf knappe Mittel der Familie hindeutet.“
Innere Merkmale mit Beleg und Deutung
„Paul ist zurückhaltend. Als der Lehrer ihn vorstellt, „starrte er auf den Boden“ (Z. 9). Diese Haltung zeigt Unsicherheit. Zugleich wirkt er beobachtend, denn er merkt sich, wer mit wem spricht (Z. 15). Diese Genauigkeit deutet auf Intelligenz und den Wunsch hin, dazuzugehören.“
Kurzantwort: Ein guter Hauptteil folgt der Formel „Behauptung, Zitat, Deutung“. Jeder Absatz behandelt genau ein Merkmal.
Schluss
„Insgesamt zeigt sich Paul als schüchterner, aber aufmerksamer Junge. Seine Entwicklung von der Isolation zur ersten Freundschaft macht ihn zu einer dynamischen Figur, deren Wandel den Kern der Geschichte trägt.“
Sprache und Stil: Formulierungen für die Charakterisierung
Sachlicher Ton und präzise Wörter machen den Unterschied. Verben wie „zeigt“, „wirkt“, „verhält sich“ oder „reagiert“ lassen sich gut mit Adjektiven verbinden. Wer Adjektive sucht, findet Hilfe im Beitrag über das Attribut in der Grammatik. Abwechslung beim Wortschatz hilft, und Synonyme für „häufig“ zeigen, wie sich Wiederholungen vermeiden lassen.
- Vermeiden: „nett“, „toll“, „schön“, „komisch“
- Besser: „hilfsbereit“, „ehrgeizig“, „misstrauisch“, „eigenwillig“
- Übergänge: „Darüber hinaus“, „Zudem“, „Dies zeigt sich auch“
- Belege einleiten: „wie Zeile 12 zeigt“, „laut Erzähler“
Typische Fehler bei der Charakterisierung
Der häufigste Fehler ist die Nacherzählung. Statt die Handlung wiederzugeben, soll der Text Eigenschaften herausarbeiten. Ein zweiter Fehler sind Behauptungen ohne Beleg. Auch die Zeitform rutscht oft ins Präteritum, obwohl das Präsens gilt.
Ebenso häufig sind Wertungen ohne Grundlage. Sätze wie „Paul ist ein schlechter Mensch“ brauchen eine Begründung im Text. Wer Konjunktive nutzt, um Meinungen anderer Figuren wiederzugeben, findet Hinweise unter Konjunktiv von „werden“.
Einfach oder komplex: Figurentypen erkennen
Die Wikipedia unterscheidet flache und runde Charaktere. Flache Figuren tragen ein oder wenige hervorstechende Merkmale und entwickeln sich nicht. Runde Figuren durchlaufen eine Entwicklung oder zeigen widersprüchliche Seiten, etwa mutig im Beruf und ängstlich im Privatleben. Im Schlussurteil hilft diese Einordnung, die Rolle der Figur zu bestimmen.
Fazit
Eine gelungene Charakterisierung folgt einer klaren Gliederung, steht im Präsens und belegt jedes Merkmal. Die Musterlösung oben lässt sich auf jede Figur übertragen. Wer vorab Zitate sammelt und Merkmale ordnet, schreibt schneller und sauberer.
FAQ – Häufige Fragen
Was ist eine Charakterisierung?
Eine Charakterisierung beschreibt Eigenschaften, Verhalten und Wesen einer Figur oder Person. In der Schule bezieht sie sich meist auf eine literarische Figur und belegt jede Aussage mit dem Text.
Wie lang sollte eine Charakterisierung sein?
Das hängt von der Aufgabe ab. In der Mittelstufe genügen oft ein bis zwei Seiten, in der Oberstufe darf es mehr sein. Entscheidend ist, dass jedes Merkmal mit Beleg und Deutung auftaucht.
In welcher Zeitform steht eine Charakterisierung?
Im Präsens. Nur Ereignisse, die vor der Handlung liegen, stehen im Perfekt oder Präteritum, zum Beispiel die Kindheit einer Figur.
Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Charakterisierung?
Direkt heißt: Der Text nennt Eigenschaften ausdrücklich, etwa durch den Erzähler. Indirekt heißt: Leserinnen und Leser schließen aus Handlungen, Worten und Reaktionen auf das Wesen.
Darf in einer Charakterisierung die Ich-Form vorkommen?
Sie sollte fehlen. Formulierungen wie „Die Figur wirkt auf mich“ lassen sich meist durch „Die Figur wirkt“ ersetzen. Das klingt sachlicher.
Wie belege ich Aussagen in einer Charakterisierung?
Mit kurzen Zitaten oder Verweisen auf Textstellen, dahinter Zeilenangabe in Klammern. Auf jedes Zitat folgt eine Deutung, die den Beleg mit der Eigenschaft verbindet.
Was gehört in die Einleitung?
Titel, Autor, Textart, Erscheinungsjahr und eine Zusammenfassung der Situation in einem oder zwei Sätzen. Dazu kommt der Name der Figur und ihre Rolle in der Handlung.
Wie unterscheidet sich die Charakterisierung von der Personenbeschreibung?
Die Personenbeschreibung hält vor allem Äußeres fest, etwa Größe, Haarfarbe und Kleidung. Die Charakterisierung deutet innere Merkmale wie Haltung, Motive und Entwicklung.
Welche Adjektive eignen sich für eine Charakterisierung?
Passend sind Wörter wie zurückhaltend, ehrgeizig, misstrauisch, hilfsbereit oder impulsiv. Vage Wörter wie „nett“ oder „schön“ tragen wenig, weil sie keine Deutung ermöglichen.
Was ist eine statische und eine dynamische Figur?
Eine statische Figur bleibt im Verlauf gleich. Eine dynamische Figur verändert sich, etwa durch ein einschneidendes Erlebnis. Die Wikipedia spricht von flachen und runden Charakteren.
Quellen

Ariane erklärt Technik so, wie sie es ihrer Mutter am Küchentisch erklären würde. Kurz, ohne Fachwörter, mit Beispiel.





