Inhalt
Titelbild: „Book Shelves at Bonna Baana Childrens Library, Bukalabi Village, Nakaseke“ von Micheal Kaluba · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons · zugeschnitten
Kurzantwort: Drei Proben klären fast jeden Fall. Die Ersatzprobe: Lässt sich dieses, jenes oder welches einsetzen, schreibst du das mit einem s. Die Wortartprobe: Steht ein Substantiv dahinter oder ein Bezugswort davor, ist es Artikel oder Pronomen. Die Kommaprobe: Beginnt ein Nebensatz, dessen Verb am Ende steht, und lässt sich das Wort nicht ersetzen, schreibst du dass.
Beide Wörter klingen gleich, stehen oft an derselben Stelle im Satz und meinen völlig Verschiedenes.
Nach Gefühl zu entscheiden führt regelmäßig in die Irre, weil das Gefühl auf den Klang hört und der Klang bei beiden Wörtern derselbe ist. Drei Proben ersetzen dieses Raten durch eine Prüfung, die sich in Sekunden machen lässt.
Hier stehen die Proben in der Reihenfolge, in der du sie anwenden solltest, dazu die Rollen beider Wörter und die Fälle, die auch Geübte ins Stocken bringen.
Probe 1: die Ersatzprobe
Setze testweise dieses, jenes oder welches ein.
„Das Auto, das vor der Tür steht“ wird zu „Das Auto, welches vor der Tür steht“. Der Satz ergibt weiter Sinn, also steht dort ein s.
„Ich hoffe, dass du kommst“ wird zu „Ich hoffe, welches du kommst“. Das ergibt keinen Sinn, also stehen zwei s.
Diese Probe deckt die meisten Fälle ab und ist in zwei Sekunden gemacht.
Achte darauf, wirklich nur das eine Wort zu ersetzen und den Rest des Satzes stehen zu lassen. Wer beim Testen den Satz umbaut, bekommt ein falsches Ergebnis.
Probe 2: die Wortartprobe
„Das“ tritt in drei Rollen auf, und alle drei lassen sich am Satz erkennen.
Artikel. Direkt dahinter steht ein Substantiv: das Formular, das Ergebnis.
Demonstrativpronomen. Es steht für eine Sache und lässt sich betonen: „Das habe ich nicht gewusst.“
Relativpronomen. Davor steht ein Substantiv im Neutrum, auf das es sich bezieht: „das Formular, das ich ausgefüllt habe“.
„Dass“ hat dagegen nur eine einzige Aufgabe. Es ist eine Konjunktion und leitet einen Nebensatz ein, der von einem Verb, einem Substantiv oder einem Adjektiv abhängt.
Probe 3: die Kommaprobe
Beide Wörter stehen häufig nach einem Komma, deshalb hilft das Komma allein nicht weiter. Die Stellung des Verbs hilft sehr wohl.
Bei der Konjunktion steht das Verb am Ende des Nebensatzes: „Ich habe gemerkt, dass der Termin verschoben wurde.“
Beim Relativpronomen steht ebenfalls ein Verb am Ende, aber es gibt ein Bezugswort davor: „Der Termin, der verschoben wurde.“ Fehlt das Bezugswort, bleibt nur die Konjunktion übrig.
Das Amtliche Regelwerk ordnet beide Fälle demselben Paragrafen zu: § 73 regelt das Komma bei Nebensätzen, gleich ob sie mit dass, mit einem Relativpronomen oder ganz ohne einleitendes Wort beginnen.
Die Zweifelsfälle
„dass das“. Beide Wörter direkt nebeneinander sind richtig: „Ich wusste nicht, dass das so lange dauert.“ Zuerst die Konjunktion, dann das Pronomen.
„das, was“. Nach einem Demonstrativpronomen folgt was, nicht das: „Das, was du meinst, steht weiter unten.“
„sodass“ und „so dass“. Beide Schreibungen sind zulässig. Das Doppel-s bleibt, weil die Konjunktion darin steckt.
„das heißt“. Ein s, abgekürzt d. h. Es handelt sich um ein Pronomen mit dem Verb heißen.
„als ob“. Danach folgt kein weiteres einleitendes Wort: „Er tat, als ob er nichts gehört hätte.“
Warum es zwei Schreibungen gibt
Die Verdopplung folgt einer allgemeinen Regel. Nach einem betonten kurzen Vokal wird der Konsonant verdoppelt, so steht es in § 2 des Amtlichen Regelwerks. Dort ist „dass (Konjunktion)“ als Beispiel aufgeführt.
Das Pronomen gehört dagegen zu den einsilbigen Wörtern mit grammatischer Funktion, die von dieser Verdopplung ausgenommen sind. In derselben Liste stehen ab, an, bis, des, in, man, mit, ob, um und was.
Bis 1996 half die Schreibung nicht bei der Unterscheidung, denn damals hieß es daß mit ß. Erst die Reform hat die beiden Formen im Schriftbild klar getrennt.
Für die Praxis bedeutet das eine gute Nachricht. Die Schreibung ist heute eindeutig, sobald die Wortart geklärt ist. Es gibt keine Ausnahmen, keine Varianten und keine regionalen Unterschiede.
Fünf Sätze zum Prüfen
- Ich glaube, ___ wir uns kennen.
- ___ Angebot, ___ Sie geschickt haben, ist angekommen.
- Es freut mich, ___ ___ geklappt hat.
- ___ war knapp.
- Sie hat betont, ___ der Termin steht.
Lösungen: 1. dass — 2. Das, das — 3. dass, das — 4. Das — 5. dass
Bei Satz 3 hilft nur die Ersatzprobe: „Es freut mich, dass dieses geklappt hat“ ergibt Sinn, also steht das zweite Wort mit einem s.
Satz 2 zeigt ein Muster, das in Briefen und E-Mails ständig vorkommt. Erst kommt der Artikel vor dem Substantiv, dann folgt nach dem Komma das Relativpronomen, das sich auf genau dieses Substantiv bezieht. Beide Wörter sehen gleich aus und haben verschiedene Aufgaben. Wer an dieser Stelle einmal genau hinschaut, erkennt das Muster danach in jedem Text wieder.
Häufige Fragen
Welche Probe ist die zuverlässigste?
Die Ersatzprobe. Sie funktioniert bei Artikel, Demonstrativ- und Relativpronomen gleichermaßen.
Kann ich mich auf das Gehör verlassen?
Nein. Beide Wörter werden gleich ausgesprochen, der Unterschied besteht nur in der Schrift.
Steht vor beiden Wörtern immer ein Komma?
Vor der Konjunktion ja. Der Artikel steht mitten im Satz und braucht kein Zeichen.
Wie erkenne ich ein Relativpronomen sicher?
Es hat ein Bezugswort im Neutrum, das unmittelbar davor steht, und der Nebensatz beschreibt dieses Wort genauer.
Gilt die Regel auch für die Mehrzahl?
Im Plural heißt das Relativpronomen die, die Frage stellt sich dort nicht.
Ändert sich an der Regel etwas?
Nein. Die Aktualisierung des Regelwerks von 2024 hat an dieser Unterscheidung nichts geändert.
Quellen
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Amtliches Regelwerk 2024, § 2, § 4 und § 73 (PDF)
- Duden: das oder dass?
- Wikipedia: Heysesche s-Schreibung
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Unterschied das und dass: Wortart, Proben, Beispiele
- Zusammen und getrennt schreiben: vier Proben, viele Fälle
- das oder dass üben: Proben, Übungssätze und Lösungen
Von Nico Thalmann, Redaktion grammatikguru.de. Jede Erklaerung wird an Beispielen geprueft.

Nico probiert Apps und Geräte aus, bevor er sie empfiehlt, und schreibt über Tastenkürzel, Einstellungen und Abkürzungen im Alltag.






