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Titelbild: „Book Shelves at Center for Children and Library Foundation (CECLIF), Tororo“ von Micheal Kaluba · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons · zugeschnitten
Kurzantwort: Ein Komma steht in drei Fällen: bei Reihungen, bei Zusätzen und bei Nebensätzen. Vor und, oder und sowie steht in einer Aufzählung kein Komma, vor aber, sondern und jedoch dagegen schon. Bei einem Einschub brauchst du zwei Kommas, links und rechts. Alles andere sind Sonderfälle, die du im Alltag selten triffst.
In E-Mails, Bewerbungen und Anträgen tauchen immer dieselben sechs Situationen auf. Wer die im Griff hat, macht kaum noch Kommafehler.
Die Grundlage ist seit dem 1. Juli 2024 die aktualisierte Fassung des Amtlichen Regelwerks. Das Kapitel zur Zeichensetzung wurde dafür neu geordnet und gestrafft.
Hier stehen die sechs Fälle in der Reihenfolge, in der sie beim Schreiben vorkommen, jeweils mit Beispiel und Gegenbeispiel.
Fall 1: Aufzählung
Gleichrangige Teile werden durch Komma getrennt: „Wir brauchen Stifte, Papier, Umschläge.“
Sobald und, oder oder sowie im Spiel sind, entfällt das Komma an dieser Stelle: „Wir brauchen Stifte, Papier und Umschläge.“
Vor aber, sondern, doch und jedoch steht dagegen ein Komma, weil sie einen Gegensatz ausdrücken: „Der Termin war kurz, aber hilfreich.“
Bei zwei Adjektiven entscheidet die Bedeutung. „Ein langer, anstrengender Tag“ war lang und zugleich anstrengend. „Ein langer anstrengender Tag“ meint den langen unter den anstrengenden Tagen.
Die Probe dafür ist das Wort und. Passt es zwischen die beiden Adjektive, steht das Komma. Passt es nicht, gehören die Wörter enger zusammen und das Komma entfällt.
Fall 2: Nebensatz
Jeder Nebensatz wird mit Komma abgegrenzt, egal an welcher Stelle er steht.
- Nachgestellt: „Ich melde mich, sobald ich Bescheid weiß.“
- Vorangestellt: „Sobald ich Bescheid weiß, melde ich mich.“
- Eingeschoben: „Ich melde mich, sobald ich Bescheid weiß, per Mail.“
Erkennungszeichen ist das Verb am Ende des Nebensatzes. Steht es dort, gehört ein Komma davor.
Auch Nebensätze ohne einleitendes Wort zählen dazu: „Regnet es, bleiben wir im Haus.“
Fall 3: Anrede, Datum, Einschub
Zusätze treten zu einem grammatisch vollständigen Satz hinzu und werden abgetrennt.
Anrede. „Guten Morgen, Herr Weber,“ und in Briefen „Sehr geehrte Frau Müller,“. Danach geht es klein weiter, weil der Satz erst beginnt.
Apposition. „Frau Krause, unsere Betriebsärztin, hält den Vortrag.“ Zwei Kommas, nicht eines.
Datum. Steht die Angabe im Satzinneren, muss auch das schließende Komma stehen: „Am Freitag, den 25. September, feiern sie ihre Silberhochzeit.“ Diese Pflicht ist seit 2024 eindeutig geregelt.
Nach der Grußformel steht kein Komma. „Mit freundlichen Grüßen“ bleibt ohne Zeichen, darunter folgt der Name.
Ein Sonderfall sind nachgestellte Erläuterungen mit insbesondere, nämlich, und zwar oder vielleicht. Fasst du sie als Zusatz auf, setzt du zwei Kommas. Fasst du sie als verkürztes Satzglied auf, darf das schließende Komma seit 2024 entfallen: „Auf der Ausstellung waren viele skandinavische Firmen, insbesondere finnische, vertreten.“
Fall 4: Infinitivgruppen mit zu
Erweiterte zu-Infinitive zählen seit 2024 zu den Nebensätzen. Das Komma ist damit Pflicht: „Die Wahl zu gewinnen, hofften alle.“ Oder: „Er freute sich, im Bett liegen bleiben zu können.“
Bei nicht erweiterten Formen entscheidest du selbst. „Kim hat versucht, abzunehmen“ fasst die Gruppe als Nebensatz auf, „Kim hat versucht abzunehmen“ als Wortgruppe. Beides ist zulässig.
Das Komma kann sogar die Bedeutung steuern. „Sie beschloss, im Morgengrauen nicht noch einmal aufzubrechen“ sagt etwas anderes als „Sie beschloss im Morgengrauen, nicht noch einmal aufzubrechen“.
Fall 5: Vergleiche mit wie und als
Vor einem einfachen Vergleich steht kein Komma: „Er ist größer als sein Bruder.“ „Sie arbeitet schnell wie immer.“
Folgt dagegen ein ganzer Satz mit eigenem Verb, greift die Nebensatzregel: „Das ging genauso schnell, wie es alle erwartet hatten.“
Die Probe ist einfach. Suche hinter wie oder als nach einem gebeugten Verb. Findest du eines, setzt du das Komma.
Dasselbe gilt für Wendungen mit als ob und als wenn. „Er tat, als ob er nichts gehört hätte“ enthält einen vollständigen Nebensatz und braucht deshalb das Komma.
Kein Komma steht dagegen bei bloßen Vergleichsgrößen wie „mehr als zehn Personen“ oder „so gut wie fertig“. Dort folgt kein Satz, sondern nur eine Angabe.
Fall 6: Partizipgruppen und zwei Hauptsätze
Erweiterte Partizipien am Satzanfang dürfen ein Komma bekommen, müssen aber nicht: „Vom Blitz getroffen, fiel er zu Boden“ ist ebenso richtig wie dieselbe Fassung ohne Zeichen.
Bei zwei vollständigen Hauptsätzen, die mit und oder oder verbunden sind, darfst du ebenfalls entscheiden. Das Regelwerk empfiehlt das Komma, wenn es das Lesen erleichtert: „Ich fotografierte die Berge, und meine Frau machte einen Spaziergang.“
An diesen beiden Stellen entscheidest du im Alltag selbst, ohne einen Fehler zu machen.
Wenn du dir bei einem Satz unsicher bist, hilft ein Blick auf die Struktur. Zerlege ihn in seine Teile und frage bei jedem Teil, ob er allein stehen könnte. Kann er es, handelt es sich um einen Satz und braucht ein Zeichen. Kann er es nicht, ist er entweder Teil einer Reihung oder ein Zusatz.
Diese Zerlegung dauert wenige Sekunden und ersetzt das Gefühl, das viele beim Kommasetzen für unzuverlässig halten.
Häufige Fragen
Kommt vor „und“ nie ein Komma?
In Aufzählungen nicht. Zwischen zwei vollständigen Hauptsätzen darf es stehen.
Wie ist es nach „Sehr geehrte Damen und Herren,“?
Nach dem Komma geht es klein weiter, außer das erste Wort ist ein Substantiv oder die Anrede Sie.
Braucht „um zu“ ein Komma?
Ja. „Sie fährt nach Regensburg, um ihre Freundin zu besuchen.“
Steht vor „dass“ immer ein Komma?
Ja, es leitet einen Nebensatz ein.
Wie viele Kommas hat ein Einschub?
Zwei. Das zweite Komma wird beim Schreiben oft vergessen, weil der Satz danach weiterläuft.
Wo kann ich Zweifelsfälle nachschlagen?
Im Amtlichen Regelwerk, Kapitel E zur Zeichensetzung. Es steht kostenlos als PDF online.
Quellen
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 70 bis 73 (PDF)
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Zusammenfassung der wesentlichen Änderungen 2024 (PDF)
- Duden: Rechtschreibregeln zur Kommasetzung
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Kommasetzung: Die sechs Regeln, die im Alltag reichen
- Rechtschreibung: Regeln, Herkunft und was 2024 neu ist
- Kommaregeln Englisch: sieben Regeln, fünf Fehler
Ariane Pohl erklaert fuer grammatikguru.de Zusammenhaenge, ohne sie zu vereinfachen.

Ariane erklärt Technik so, wie sie es ihrer Mutter am Küchentisch erklären würde. Kurz, ohne Fachwörter, mit Beispiel.






