Kommasetzung: Die sechs Regeln, die im Alltag reichen

Aktualisiert am 16.10.2026 · Lesezeit 5 Min.

Kurzantwort: Ein Komma steht zwischen Haupt- und Nebensatz, zwischen zwei Hauptsätzen, bei Aufzählungen, vor aber und sondern, um Einschübe herum und vor Infinitivgruppen mit um, ohne oder statt. Diese sechs Regeln decken fast alle Fälle im Alltag ab.

Das amtliche Regelwerk kennt über hundert Kommaregeln. Sechs davon decken den Alltag ab.

1. Zwischen Hauptsatz und Nebensatz

Nebensätze beginnen mit Wörtern wie weil, dass, obwohl, wenn, damit, ob, als oder mit einem Relativpronomen. Vor ihnen steht ein Komma.

„Ich komme später, weil der Zug Verspätung hat.“

„Das Buch, das du mir geliehen hast, war gut.“ – Schiebt sich der Nebensatz in den Hauptsatz, wird er beidseitig eingeschlossen.

2. Zwischen zwei Hauptsätzen

„Sie rief an, er ging nicht ran.“

Bei und oder oder darf das Komma stehen, muss aber nicht: „Sie rief an(,) und er ging nicht ran.“ Setze es, wenn der Satz sonst schwer zu lesen ist.

3. Bei Aufzählungen

„Wir brauchen Milch, Eier, Mehl und Zucker.“

Vor dem letzten und steht kein Komma – anders als im Englischen, wo das Oxford-Komma üblich ist.

Auch aufgezählte Adjektive werden getrennt: „ein langer, anstrengender Tag“. Aber: „ein neuer roter Wagen“ ohne Komma, weil rot und Wagen hier enger zusammengehören. Die Probe: Passt ein und dazwischen, gehört ein Komma hin.

4. Vor entgegensetzenden Konjunktionen

Vor aber, sondern, doch, jedoch, allein steht immer ein Komma.

„Der Film war lang, aber gut.“

„Nicht heute, sondern morgen.“

5. Um Einschübe herum

Nachgestellte Erläuterungen, Appositionen und Anreden werden eingeschlossen.

„Herr Meier, der Nachbar von gegenüber, hat angerufen.“

„Guten Tag, Frau Schmidt.“

„Berlin, die Hauptstadt Deutschlands, hat 3,8 Millionen Einwohner.“

Wichtig ist das zweite Komma. Es fehlt am häufigsten.

6. Vor erweiterten Infinitivgruppen

Infinitivgruppen mit zu bekommen ein Komma, wenn sie erweitert sind und durch um, ohne, statt, anstatt, außer, als eingeleitet werden oder wenn ein Hinweiswort im Hauptsatz steht.

„Er ging los, um Brot zu kaufen.“

„Sie versprach, pünktlich zu sein.“

Beim bloßen zu plus Verb steht keins: „Er versuchte zu schlafen.“

Die häufigsten Fehler

Komma vor „und“ in einer Aufzählung. „Milch, Eier, und Mehl“ ist falsch.

Das fehlende zweite Komma. „Mein Bruder, der in Köln wohnt hat angerufen“ – nach wohnt fehlt eines.

Komma vor „wie“ beim Vergleich. „Er ist so groß wie sein Vater“ braucht keins. Nur wenn ein ganzer Satz folgt: „Er ist so groß, wie sein Vater es war.“

Komma nach Zeitangaben am Satzanfang. „Gestern Abend habe ich gekocht“ – kein Komma nötig.

Kommas bei Datum, Ort und Anrede

Bei Datumsangaben mit Wochentag steht nach dem Wochentag ein Komma, das zweite ist freigestellt: Am Montag, dem 5. Mai, beginnt der Kurs. Wird die Angabe fortgesetzt, ist das schließende Komma üblich. Ohne Wochentag entfällt es meist.

In Briefen und E-Mails folgt nach der Anrede ein Komma, und der erste Buchstabe danach wird kleingeschrieben, sofern es kein Substantiv ist. Ein Ausrufezeichen nach der Anrede ist heute unüblich. Nach der Grußformel steht dagegen kein Komma.

Bei Ortsangaben in Adressen im Fließtext wird ebenfalls mit Komma abgetrennt: Er wohnt in Hamburg, Große Straße 4, im zweiten Stock. Diese Kommas sind Pflicht. Sie gliedern die Angabe.

Kommas bei Partizipgruppen

Partizipgruppen werden seit der Rechtschreibreform grundsätzlich nicht mehr zwingend abgetrennt, dürfen es aber, wenn es der Klarheit dient: Vom Regen durchnässt(,) betrat sie das Haus. Beide Schreibweisen sind korrekt. Bei längeren Gruppen ist das Komma üblich.

Pflicht ist es dagegen, wenn die Gruppe durch ein hinweisendes Wort angekündigt oder nachgestellt wird: Sie betrat das Haus, vom Regen durchnässt. Auch bei Einschüben gilt die Kommapflicht. Die Regel folgt derselben Logik wie beim Einschub.

Für Infinitivgruppen gilt Ähnliches: Ohne einleitendes Wort ist das Komma freigestellt, mit um, ohne, statt, außer, anstatt und als ist es Pflicht. Auch bei Ankündigung durch ein Korrelat wie es oder daran steht es. Diese sechs Wörter sind der einfachste Merkposten.

Kommas, die häufig zu viel gesetzt werden

Vor und sowie vor oder steht bei einfachen Aufzählungen kein Komma. Ebenso wenig zwischen einem Substantiv und einer nachgestellten Angabe ohne Nebensatzcharakter. Ein Komma vor und ist nur bei zwei vollständigen Hauptsätzen zulässig, dort aber freigestellt.

Ein weiterer häufiger Überschuss ist das Komma vor als und wie bei einfachen Vergleichen: Er ist größer als sein Bruder. Erst wenn ein vollständiger Nebensatz folgt, wird abgetrennt. Der Unterschied liegt im finiten Verb.

Auch vor Präpositionen wie mit, für oder trotz steht kein Komma, selbst wenn die Angabe lang ist. Länge allein begründet nie ein Komma. Entscheidend ist ausschließlich die grammatische Struktur.

Wie man es sich merkt

Der zuverlässigste Test ist die Suche nach dem finiten Verb: Steht in einem Abschnitt ein gebeugtes Verb, handelt es sich um einen Satz und wird abgetrennt. Fehlt es, ist es eine Angabe und braucht kein Komma. Damit lassen sich die meisten Fälle entscheiden.

Der zweite Test ist die Probe mit den Signalwörtern: dass, weil, obwohl, wenn, während, damit, ob, als, nachdem leiten Nebensätze ein und stehen fast immer hinter einem Komma. Ein Blick auf das erste Wort genügt oft. Diese Liste deckt den Schulalltag weitgehend ab.

Für Zweifelsfälle hilft das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung, das kostenfrei abrufbar ist und die Kommaregeln durchnummeriert. Auch der Duden bildet sie ab. Beide sind verbindlicher als jede Faustregel.

Wo vor Nebensätzen ein Komma steht, zeigen die Alltagsregeln, wie der Beitrag zu ich hoffe an einer häufigen Wendung vorführt.

Häufige Fragen

Heißt es Kommas oder Kommata?

Beides ist richtig. Kommas ist heute die übliche Form, Kommata klingt gehobener.

Steht vor „auch wenn“ ein Komma?

Ja. „Auch wenn“ leitet einen Nebensatz ein: „Ich gehe raus, auch wenn es regnet.“

Steht vor „sowie“ ein Komma?

Nein, sowie verhält sich wie und.

Und vor „bzw.“?

Ebenfalls nicht, es entspricht oder.

Wie ist es bei „einschließlich“ oder „inklusive“?

Ohne Komma, solange kein eigener Satz folgt.

Gibt es ein Komma vor „ob“?

Ja, ob leitet einen Nebensatz ein: „Ich weiß nicht, ob er kommt.“

Steht nach der Anrede ein Komma?

Ja, und danach wird kleingeschrieben.

Wann ist das Komma bei Infinitivgruppen Pflicht?

Bei um, ohne, statt, außer, anstatt und als.

Wie erkennt man einen Nebensatz?

Am gebeugten Verb und an den Signalwörtern.

Steht vor als ein Komma?

Nur wenn ein vollständiger Nebensatz folgt.

Quellen

Susanne Bork erklaert fuer grammatikguru.de Zusammenhaenge, ohne sie zu vereinfachen.


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