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Kurz gesagt: heiße ist die 1. Person Singular Präsens von heißen. Das Verb ist unregelmäßig: Präteritum hieß, Partizip geheißen.
Präsens
- ich heiße
- du heißt
- er/sie/es heißt
- wir heißen
- ihr heißt
- sie heißen
Präteritum
- ich hieß
- du hießt
- er/sie/es hieß
- wir hießen
- ihr hießt
- sie hießen
Perfekt
- ich habe geheißen
- du hast geheißen
- er/sie/es hat geheißen
- wir haben geheißen
- ihr habt geheißen
- sie haben geheißen
Warum du heißt ohne zusätzliches s?
Endet der Verbstamm auf einen s-Laut — ß, s, ss, z, x —, fällt in der 2. Person Singular das s der Endung weg. Deshalb du heißt statt du heißst. Dieselbe Regel gilt bei du tanzt und du liest.
Die beiden Bedeutungen
Ich heiße Anna — einen Namen tragen. Das heißt, wir fahren morgen — bedeuten. Beide Bedeutungen werden gleich gebeugt.
Futur und Konjunktiv
Das Futur I bildet sich mit werden und dem Infinitiv: ich werde heißen. Das Futur II lautet ich werde geheißen haben. Beide sind regelmäßig gebildet.
Der Konjunktiv I lautet ich heiße, du heißest, er heiße und wird für die indirekte Rede gebraucht. Der Konjunktiv II lautet ich hieße, du hießest, er hieße. Er ist vom Präteritum durch den Umlaut unterschieden.
Damit gehört heißen zu den starken Verben, bei denen der Konjunktiv II noch eine eigene Form hat. Eine Umschreibung mit würde ist deshalb nicht nötig. Sie gilt hier sogar als weniger gut.
Warum es du heißt ohne zusätzliches s heißt
Endet ein Verbstamm auf einen s-Laut, also auf s, ß, x oder z, entfällt in der zweiten Person Singular das s der Endung. Aus heiß plus st wird deshalb heißt, nicht heißst. Dieselbe Regel gilt für du liest, du sitzt und du mixt.
Dadurch fallen zweite und dritte Person Singular lautlich zusammen: du heißt und er heißt klingen gleich. Nur der Zusammenhang unterscheidet sie. Das ist im Deutschen nicht ungewöhnlich.
Im Präteritum bleibt die Endung dagegen erhalten: du hießest oder umgangssprachlich du hießt. Beide Formen sind zulässig. Die kürzere überwiegt deutlich.
Die beiden Bedeutungen
Heißen bedeutet zum einen einen Namen tragen: Ich heiße Anna. Zum anderen bedeutet es bedeuten: Das heißt, wir fangen später an. In der zweiten Bedeutung steht es häufig als das heißt, abgekürzt d. h.
Eine dritte, gehobene Bedeutung ist befehlen oder auffordern: Er hieß ihn gehen. Diese Verwendung steht mit doppeltem Akkusativ und ist heute selten. In älteren Texten begegnet sie regelmäßig.
Zu unterscheiden ist davon das Verb heizen, das lautlich ähnlich ist, aber nichts damit zu tun hat. Es ist schwach und bildet heizte und geheizt. Die Verwechslung ist im Schriftbild ausgeschlossen.
Der häufigste Fehler
Am häufigsten wird das zusätzliche s gesetzt, also du heißst. Diese Form gibt es nicht. Nach s-Lauten entfällt es immer.
Ein zweiter Fehler betrifft das Partizip, das gelegentlich als geheißt gebildet wird. Richtig ist geheißen. Heißen ist ein starkes Verb.
Die Grundformen im Überblick
Im Präsens heißt es ich heiße, du heißt, er heißt, wir heißen, ihr heißt, sie heißen. Das Präteritum lautet ich hieß, du hießt, er hieß, wir hießen, ihr hießt, sie hießen. Das Partizip II ist geheißen, das Perfekt bildet sich mit haben.
Damit ist heißen ein starkes Verb mit dem Ablaut ei zu ie. Dieselbe Reihe zeigen bleiben, schreiben und steigen. Wer eine davon kennt, erkennt die anderen.
Der Imperativ lautet heiß oder heiße, heißt und heißen Sie. Er ist selten, weil das Verb kaum als Aufforderung gebraucht wird. Grammatisch ist er dennoch möglich.
Das Passiv
Ein persönliches Passiv gibt es nur in der veralteten Bedeutung des Befehlens: Er wurde geheißen zu gehen. In der Bedeutung des Namens ist ein Passiv nicht möglich. Der Grund liegt in der Satzstruktur.
Die Wendung willkommen geheißen ist dagegen bis heute gebräuchlich und zeigt das Partizip in aktiver Verwendung. Sie stammt aus derselben alten Bedeutung. Verstanden wird sie problemlos.
Wo man Formen nachschlägt
Vollständige Beugungstabellen bieten der Duden und das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache. Sie zeigen alle Zeiten samt Konjunktiv. Der Zugriff ist kostenlos.
Für die Liste der starken Verben eignet sich jede Schulgrammatik. Sie umfasst etwa zweihundert Einträge. Mit ihr ist der unregelmäßige Teil vollständig abgedeckt.
Verben mit demselben Ablaut
Die Reihe ei zu ie zu ie zeigen bleiben, schreiben, steigen, treiben und schweigen. Heißen folgt derselben Reihe, hat im Partizip aber ein e statt ie. Diese kleine Abweichung ist einzeln zu lernen.
Für Lernende lohnt es sich, die starken Verben nach Ablautreihen zu ordnen statt alphabetisch. Damit sinkt der Lernaufwand erheblich. Grammatiken stellen sie so dar.
Neue Verben werden im Deutschen ausnahmslos schwach gebildet. Die starken Muster sind nicht mehr produktiv. Ihre Zahl nimmt langsam ab.
Häufige Wendungen
Verbreitet sind wie heißt du, das heißt, es heißt und willkommen heißen. Die Wendung es heißt leitet häufig eine unbestätigte Aussage ein. Sie entspricht dem deutschen man sagt.
Die Abkürzung d. h. steht für das heißt und wird mit Punkt und Leerzeichen geschrieben. Vor ihr steht ein Komma, wenn ein Nebensatz folgt. Diese Zeichensetzung wird oft übersehen.
Wo man Formen und Regeln nachschlägt
Verbindlich ist für die Rechtschreibung das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung, das frei abrufbar ist. Für Beugung und Bedeutung sind der Duden und das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache maßgeblich. Alle drei sind kostenlos zugänglich.
Für regionale Unterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Variantenwörterbuch des Deutschen die genauere Quelle. Es beschreibt abweichende Formen ausdrücklich als korrekt. Bibliotheken führen es meist im Bestand.
Nützlich ist außerdem, Zweifelsfälle einmal in einer Schulgrammatik nachzulesen statt jedes Mal einzeln zu suchen. Die Regeln stehen dort auf wenigen Seiten. Das spart auf Dauer erheblich Zeit.
Häufige Fragen
Heißt es du heißt oder du heißst?
du heißt.
Wie lautet das Präteritum?
ich hieß.
Wie lautet das Partizip?
geheißen.
Schreibt man heisse oder heiße?
In Deutschland und Österreich heiße, in der Schweiz heisse.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- liegen konjugieren: alle Zeitformen in der Übersicht
- fragen konjugieren: alle Zeitformen in der Übersicht
- réussir konjugieren: alle französischen Zeitformen
Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.





