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Kurz gesagt: Konjugation ist die Beugung des Verbs. Das Verb ändert seine Form je nach Person, Zahl, Zeit, Modus und Genus verbi — aus gehen wird ich gehe, du gingst, wir sind gegangen.
Das Wort kommt vom lateinischen coniugare, verbinden.
Was sich bei der Konjugation ändert
- Person: ich, du, er/sie/es, wir, ihr, sie
- Numerus: Einzahl oder Mehrzahl
- Tempus: Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und II
- Modus: Indikativ, Konjunktiv, Imperativ
- Genus verbi: Aktiv oder Passiv
Konjugation und Deklination
Konjugiert werden nur Verben. Dekliniert werden Substantive, Adjektive, Artikel und Pronomen — dort ändert sich die Form nach Fall, Zahl und Geschlecht.
Der Oberbegriff für beides ist Flexion.
Regelmäßig und unregelmäßig
Schwache Verben bilden das Präteritum mit -te und behalten den Stammvokal: fragen, fragte, gefragt.
Starke Verben ändern den Stammvokal: singen, sang, gesungen. Diese Reihen nennt man Ablaut.
Gemischte Verben tun beides: denken, dachte, gedacht.
Konjugation in der Biologie
Der Begriff hat eine zweite, ganz andere Bedeutung: In der Mikrobiologie ist die Konjugation die Übertragung von Erbmaterial zwischen zwei Bakterienzellen über eine Plasmabrücke. Sie ist einer der Wege, auf denen sich Antibiotikaresistenzen verbreiten.
Woher der Begriff kommt
Konjugation geht auf das lateinische coniugatio zurück, was Verbindung oder Zusammenjochen bedeutet. Darin steckt iugum, das Joch, mit dem zwei Zugtiere verbunden wurden. Gemeint war die Zusammenstellung der Formen eines Verbs zu einer Reihe.
Dieselbe Wurzel steckt in Konjugation im biologischen Sinn und in Wörtern wie Konjunktion und Jugendstil ist dagegen unverwandt. Die lateinische Grammatiktradition prägte die Begriffe der europäischen Sprachbeschreibung. Sie werden bis heute verwendet.
Der deutsche Ausdruck lautet Beugung, genauer Verbbeugung. Beide Begriffe sind austauschbar. In Schulgrammatiken steht meist der deutsche.
Die fünf Merkmale im Einzelnen
Verändert werden bei der Konjugation Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus verbi. Person meint die erste, zweite oder dritte, Numerus den Singular oder Plural. Beides richtet sich nach dem Subjekt des Satzes.
Tempus bezeichnet die Zeitstufe, im Deutschen Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II. Modus unterscheidet Indikativ, Konjunktiv und Imperativ. Genus verbi trennt Aktiv und Passiv.
Alle fünf zusammen ergeben für ein einziges deutsches Verb mehrere Dutzend Formen. Die meisten davon werden zusammengesetzt gebildet. Nur wenige sind einfache Formen.
Wie andere Sprachen konjugieren
Das Deutsche kommt mit vergleichsweise wenigen Endungen aus und bildet vieles mit Hilfsverben. Romanische Sprachen wie Spanisch und Italienisch haben dagegen für fast jede Person eine eigene Endung. Deshalb kann dort das Personalpronomen entfallen.
Das Englische hat die Endungen fast vollständig abgebaut und markiert nur die dritte Person Singular mit s. Türkisch und Finnisch dagegen hängen mehrere Merkmale nacheinander an den Stamm. Solche Sprachen heißen agglutinierend.
Für Lernende bedeutet das: Der Aufwand für die Konjugation unterscheidet sich stark je nach Sprache. Im Deutschen liegt die Schwierigkeit weniger in den Endungen als in den unregelmäßigen Stammformen. Diese Verteilung sollte man kennen.
Warum Konjugation überhaupt nötig ist
Die Endungen sagen, wer handelt und wann. In Sprachen mit vielen Endungen kann die Wortstellung deshalb freier sein. Im Englischen mit wenigen Endungen ist sie dagegen weitgehend festgelegt.
Im Deutschen übernimmt die Verbstellung zusätzlich Aufgaben: Das gebeugte Verb steht im Hauptsatz an zweiter, im Nebensatz an letzter Stelle. Diese Regel heißt Verbklammer. Sie ist eine Besonderheit des Deutschen.
Wie man Verben systematisch lernt
Für das Deutsche genügt es, die drei Stammformen zu lernen: Infinitiv, Präteritum und Partizip II, also gehen, ging, gegangen. Aus ihnen lassen sich alle übrigen Formen ableiten. Listen dazu stehen in jeder Schulgrammatik.
Bei regelmäßigen Verben entfällt dieser Aufwand, weil die Formen aus dem Infinitiv folgen. Nur die unregelmäßigen müssen einzeln gelernt werden. Es sind etwa zweihundert.
Wirksamer als Tabellen ist das Lernen in ganzen Sätzen, weil Formen so mit einer Bedeutung verknüpft werden. Aktives Abrufen festigt stärker als Wiedererkennen. Beide Effekte sind gut untersucht.
Wo man Formen nachschlägt
Vollständige Beugungstabellen bieten der Duden und das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache für jedes Verb. Sie zeigen alle Zeiten samt Konjunktiv und Passiv. Der Zugriff ist kostenlos.
Für Fremdsprachen gibt es entsprechende Angebote, etwa die Wörterbücher der jeweiligen Sprachakademien. Sie sind maßgeblich für Zweifelsfälle. Auch dort ist der Zugriff meist frei.
Die einfachen und die zusammengesetzten Formen
Das Deutsche kennt nur zwei einfache Zeitformen: Präsens und Präteritum. Alle übrigen werden mit Hilfsverben gebildet, also mit haben, sein oder werden. Perfekt, Plusquamperfekt und beide Futurformen gehören dazu.
Das erklärt, warum deutsche Sätze oft eine Klammer bilden: Das Hilfsverb steht an zweiter Stelle, das Vollverb am Ende. Diese Verbklammer ist für Lernende eine der größten Hürden. In gesprochener Sprache wird sie manchmal aufgelöst.
Welches Hilfsverb im Perfekt steht, hängt vom Verb ab. Mit sein stehen vor allem Verben der Bewegung und der Zustandsänderung. Alle übrigen bilden das Perfekt mit haben.
Konjugation im Sprachunterricht
In Lehrwerken wird zuerst das Präsens eingeführt, danach das Perfekt, weil es im Gespräch die übliche Vergangenheitsform ist. Das Präteritum folgt später und wird vor allem für schriftliche Texte gebraucht. Diese Reihenfolge folgt der Häufigkeit im Alltag.
Der Konjunktiv II kommt spät und wird häufig durch die Umschreibung mit würde ersetzt. Bei starken Verben bleibt die einfache Form vorzuziehen. Bei schwachen ist die Ersatzform notwendig.
Konjugation in der Biologie
In der Zellbiologie bezeichnet Konjugation die Übertragung von Erbmaterial zwischen zwei Bakterien über eine Verbindungsbrücke. Der Vorgang ist eine Form des Genaustauschs und trägt zur Verbreitung von Antibiotikaresistenzen bei. Mit Sprache hat er nichts zu tun.
Die Gemeinsamkeit liegt allein im lateinischen Ursprung: In beiden Fällen geht es um eine Verbindung. Solche Doppelbedeutungen sind bei Fachbegriffen häufig. Der Zusammenhang klärt, was gemeint ist.
Häufige Fragen
Was wird konjugiert?
Verben.
Was ist der Unterschied zur Deklination?
Deklination betrifft Substantive, Adjektive und Pronomen.
Wie viele Zeitformen hat das Deutsche?
Sechs.
Was ist ein starkes Verb?
Eines, das den Stammvokal ändert, etwa singen – sang – gesungen.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- tener konjugieren: alle Zeiten der spanischen Formen
- waren: Konjugation von sein in der Vergangenheit erklärt
- Ser konjugieren: alle Formen und der Unterschied zu estar
Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.





