Inhalt
Kurz gesagt: Richtig ist ausschließlich anders. Die Form anderst gibt es im Standarddeutschen nicht – sie stammt aus süddeutschen und schweizerischen Mundarten.
Der Fehler ist so verbreitet, dass viele ihn für eine zulässige Variante halten. Er ist keine.
Warum anders richtig ist
anders ist ein Adverb und endet auf -s, wie abends, rechts, links, nachts oder eilends. Diese Endung geht auf einen alten Genitiv zurück, der im Deutschen zur Adverbbildung diente.
Ein zusätzliches t hat dort nie hingehört.
Woher anderst kommt
In vielen süddeutschen, österreichischen und schweizerischen Mundarten wird an Wörter mit s-Endung ein t angehängt. Dasselbe Muster zeigt sich bei öfters statt öfter oder in Formen wie anderscht.
Sprachwissenschaftlich heißt das Paragoge – ein Laut wird am Wortende hinzugefügt, ohne dass er grammatisch nötig wäre. Häufig passiert das, weil sich das Wort so leichter sprechen lässt.
In der Mundart ist die Form korrekt. In einem Text, einer Bewerbung oder einer Prüfung ist sie ein Fehler.
Der Sonderfall öfters
Interessanterweise ist öfters anders zu bewerten: Es steht im Duden als umgangssprachliche Nebenform von öfter und gilt damit nicht als falsch, wohl aber als weniger gehoben.
Anderst steht dort nicht. Der Unterschied ist willkürlich, aber für die Rechtschreibung entscheidend.
Wie anders gebeugt wird
Als Adverb bleibt es unverändert: „Er denkt anders.“
Als Adjektiv wird es gebeugt: „ein anderer Weg“, „eine andere Meinung“, „anderes Wetter“. Hier fällt das s weg.
Verwechslungsgefahr besteht bei „nichts anderes“ – hier steht das gebeugte Adjektiv, nicht das Adverb.
Ähnliche Zweifelsfälle
- wieder / wider – nochmals mit ie, dagegen mit i
- seit / seid – Zeit mit t, Verbform mit d
- das / dass – Ersatzprobe mit dieses, jenes, welches
- Standard / Standart – richtig ist Standard, die Standarte ist eine Fahne
Woher das zusätzliche t stammt
Formen wie anderst entstehen durch Analogie zu Wörtern, die tatsächlich auf -st enden, etwa erst, sonst und selbst. Solche Angleichungen sind ein normaler Vorgang in der Sprachgeschichte. Sie führen aber nicht automatisch zu standardsprachlichen Formen.
Historisch gab es im Mittelhochdeutschen Formen mit angehängtem t, die sich regional gehalten haben. In Teilen Süddeutschlands, Österreichs und der Schweiz ist anderst dialektal verbreitet. Als Dialektform ist sie korrekt.
Standardsprachlich gilt jedoch ausschließlich anders. In Schule, Beruf und Veröffentlichungen ist die Form mit t ein Fehler. Diese Unterscheidung zwischen Dialekt und Standard ist der Kern der Sache.
Der Sonderfall öfters
Bei öfter und öfters liegt der Fall anders: Beide Formen stehen im Wörterbuch, öfters gilt als umgangssprachlich. Hier ist die Nebenform also zulässig, wenn auch stilistisch nicht bevorzugt. Das erklärt die Verwirrung.
Ähnlich verhält es sich mit anderweitig und anderenfalls, die beide korrekt sind. Auch bei mindestens und wenigstens ist das s Teil des Wortes. Diese Beispiele nähren die falsche Analogie.
Wer unsicher ist, schlägt nach, statt zu raten. Wörterbücher kennzeichnen umgangssprachliche Nebenformen ausdrücklich. Fehlt eine Form dort, existiert sie standardsprachlich nicht.
Wie anders verwendet wird
Anders ist ein Adverb und bleibt deshalb unverändert: „Er denkt anders.“ Als Adjektiv erscheint dagegen die Form ander-, die gebeugt wird: „eine andere Lösung“, „mit anderen Mitteln“. Beide gehören zusammen, verhalten sich aber unterschiedlich.
In Verbindung mit als steht ein Vergleich: „anders als gedacht“. Ein wie ist an dieser Stelle falsch, weil anders einen Unterschied ausdrückt. Dieser Fehler tritt häufig auf.
Auch Zusammensetzungen wie andersherum, andersrum und andersartig werden ohne t gebildet. Die Regel gilt ausnahmslos. Wer sie kennt, deckt alle Fälle ab.
Weitere Formen mit falschem s oder t
Verbreitet sind auch scheinbare Steigerungen wie einzigste, obwohl einzig nicht steigerbar ist. Ebenso falsch ist optimalste, weil optimal bereits eine Höchstform bezeichnet. Solche Formen gelten als Fehler.
Bei wie und als kommt es regelmäßig zur Verwechslung: wie steht bei Gleichheit, als bei Ungleichheit. „Größer wie“ ist deshalb falsch. Auch das ist regional verbreitet.
Zu dieser Gruppe gehört ferner das angehängte t bei jetzt, das in Dialekten als jetzert erscheint. In geschriebenen Texten hat es keinen Platz. Dieselbe Regel greift wie bei anders.
Dialekt ist kein Fehler
Regionale Formen sind sprachlich vollwertig und Teil der eigenen Herkunft. Als Fehler gelten sie nur dort, wo Standardsprache erwartet wird, also in Schule, Behörden und Veröffentlichungen. Diese Unterscheidung ist wichtig für den Umgang miteinander.
Sprachwissenschaftlich ist keine Varietät besser als eine andere; die Standardsprache ist eine überregionale Verständigungsform. Ihre Regeln sind vereinbart, nicht natürlich vorgegeben. Genau deshalb sind sie lernbar.
Für den Alltag heißt das: Wer Dialekt spricht, macht nichts falsch. Wer schreibt, sollte die Standardform kennen. Beides schließt sich nicht aus.
Wie man die Form abstellt
Wirksam ist eine gezielte Suche im eigenen Text nach der falschen Form. Die Suchfunktion findet sie in Sekunden. Diese Prüfung sollte zur Routine gehören.
Beim Sprechen hilft es, das Wort bewusst zu betonen und die Endung wegzulassen. Nach einigen Wochen greift die Umstellung automatisch. Ein bewusster Anfang ist nötig.
Rechtschreibprogramme markieren die Form in der Regel zuverlässig, weil sie im Wörterbuch nicht existiert. Das ist einer der wenigen Fälle, in denen automatische Prüfung gut funktioniert. Man sollte den Hinweis nicht ignorieren.
Häufige Fragen
Steht anderst im Duden?
Nein. Es ist als mundartliche Form vermerkt, aber nicht als zulässige Schreibweise der Standardsprache.
Ist anderst in der Schweiz richtig?
In der Mundart wird es gesprochen. Das Schweizer Standarddeutsch schreibt ebenfalls anders.
Heißt es „nichts anderes“ oder „nichts anders“?
Nichts anderes. Hier steht ein gebeugtes Adjektiv.
Und „unter anderem“?
Ebenfalls gebeugt und getrennt geschrieben, abgekürzt u. a.
Gibt es das Wort anderst?
Standardsprachlich nicht, nur dialektal.
Ist öfters falsch?
Nein, es gilt als umgangssprachlich zulässig.
Heißt es anders als oder anders wie?
Anders als, weil ein Unterschied ausgedrückt wird.
Quellen
Geschrieben von David Lenk fuer grammatikguru.de. Strittige Faelle werden als strittig gekennzeichnet.

David bastelt an Handys, Rechnern und WLAN und schreibt auf, was beim Einrichten wirklich hakt.






