Der oder das Interesse? Artikel, Plural und Herkunft

Kurz gesagt: Es heißt das Interesse. Es heißt das Interesse. Die Interesse ist falsch — nur der Plural lautet die Interessen.

Das Interesse an dem Thema wächst.

Warum das Interesse?

Aus dem lateinischen interesse für dazwischen sein. Substantivierte lateinische Verbformen sind im Deutschen sächlich.

Die Beugung

  • Nominativ: das Interesse
  • Genitiv: des Interesses
  • Dativ: dem Interesse
  • Akkusativ: das Interesse
  • Plural: die Interessen

Der häufige Fehler

Wer unsicher ist, weicht gern auf eine Umschreibung aus. Das fällt im Text auf. Besser ist es, sich das Wort einmal mit Artikel einzuprägen — Vokabeln lernt man im Deutschen als Paar aus Artikel und Wort, nie als Wort allein.

Woher das Wort kommt

Interesse geht auf das lateinische interesse zurück, das wörtlich dazwischen sein bedeutet und im übertragenen Sinn von Bedeutung sein. Daraus entwickelte sich die kaufmännische Bedeutung des Zinses und später die heutige Bedeutung der Anteilnahme. Ins Deutsche kam das Wort über die Rechts- und Handelssprache.

Verwandt sind interessant, interessieren und Interessent. Alle gehören zum selben Stamm. Ihre Bedeutungen liegen nahe beieinander.

Die alte kaufmännische Bedeutung ist im Deutschen verschwunden, im Englischen als interest für Zinsen aber erhalten. Diese Doppelung führt bei Übersetzungen regelmäßig zu Fehlern. Ein Blick ins Fachwörterbuch klärt sie.

Warum das Wort sächlich ist

Substantivierte lateinische Infinitive sind im Deutschen sächlich, ebenso wie substantivierte deutsche Infinitive: das Laufen, das Lesen. Interesse geht auf einen solchen Infinitiv zurück. Deshalb ist es sächlich.

Dasselbe Muster zeigen das Requiem und das Plenum, beide aus dem Lateinischen. Auch dort ist die Herkunft entscheidend. Eine deutsche Endungsregel greift nicht.

Eine weibliche oder männliche Nebenform gibt es nicht. Wörterbücher führen ausschließlich die sächliche. Sie ist in allen deutschsprachigen Ländern gleich.

Beugung und Plural

Im Genitiv heißt es des Interesses, im Dativ dem Interesse und im Akkusativ das Interesse. Der Plural lautet die Interessen, im Dativ den Interessen. Das doppelte s im Genitiv ist verpflichtend.

Im Plural verschiebt sich die Bedeutung häufig zu Belangen oder Zielen, etwa in wirtschaftliche Interessen. Diese Verwendung ist in Politik und Recht üblich. Der Singular meint dagegen die Anteilnahme.

In Zusammensetzungen bleibt das Geschlecht sächlich, solange Interesse am Ende steht: das Eigeninteresse, das Sachinteresse. Steht es vorn, entscheidet das andere Wort: die Interessengruppe, der Interessenkonflikt.

Feste Wendungen

Verbreitet sind Interesse haben an, Interesse wecken, im Interesse von jemandem und von Interesse sein. Nach Interesse an folgt der Dativ: Interesse an dem Angebot. Diese Präposition ist fest.

Die Wendung im Interesse der Sache bedeutet zum Nutzen der Sache. Sie ist in Behördentexten häufig. Grammatisch steht dort der Genitiv.

Ein Interessenkonflikt liegt vor, wenn jemand widerstreitende Ziele verfolgt. Der Begriff ist in Berufsordnungen und im Gesellschaftsrecht festgelegt. Er verlangt in vielen Fällen eine Offenlegung.

Der häufigste Fehler

Am häufigsten fehlt im Genitiv das zweite s, also des Interesses gegenüber des Interesse. Richtig ist die Form mit doppeltem s. Diese Endung ist verpflichtend.

Ein zweiter Fehler ist die falsche Präposition, etwa Interesse für statt Interesse an. Beide begegnen, standardsprachlich ist an. Für steht nur bei interessieren mit sich.

Interesse in Recht und Wirtschaft

Im Zivilrecht bezeichnet das Interesse den Schaden, den jemand durch eine Pflichtverletzung erleidet. Unterschieden wird zwischen dem Erfüllungsinteresse und dem Vertrauensinteresse. Beide Begriffe sind im Schadensersatzrecht festgelegt.

Im Gesellschaftsrecht spielt der Interessenkonflikt eine Rolle, etwa wenn ein Vorstandsmitglied eigene Geschäfte mit der Gesellschaft macht. Solche Geschäfte müssen offengelegt und genehmigt werden. Die Vorschriften stehen im Aktiengesetz.

Auch im Journalismus und in der Wissenschaft ist die Offenlegung von Interessenkonflikten üblich. Fachzeitschriften verlangen sie bei jeder Veröffentlichung. Sie dient der Nachvollziehbarkeit.

Wörter aus derselben Familie

Interessant ist das Adjektiv, interessieren das Verb, Interessent die Person mit Kaufabsicht. Interessiert kann Adjektiv oder Partizip sein. Alle sind regelmäßig gebildet.

Das Verb steht mit sich und der Präposition für: Ich interessiere mich für Musik. Ohne sich bedeutet es, das Interesse eines anderen zu wecken. Beide Konstruktionen sind gebräuchlich.

Desinteresse ist das Gegenteil und ebenfalls sächlich. Es bildet keinen Plural. Diese Einschränkung gilt für viele Wörter mit der Vorsilbe des-.

Wo man den Artikel nachschlägt

Der Duden und das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache nennen Geschlecht und Beugung zu Beginn des Eintrags. Für Interesse ist der Eintrag eindeutig sächlich. Eine Nebenform gibt es nicht.

Für die Wortgeschichte ist das Etymologische Wörterbuch die passende Quelle. Es beschreibt den Weg über die Rechts- und Handelssprache. Der Zugriff ist online kostenlos.

Ähnliche Wörter aus dem Lateinischen

Sächlich sind ebenfalls das Requiem, das Plenum, das Praktikum und das Datum. Alle stammen aus dem Lateinischen und behalten dort ihr Geschlecht. Ihr Plural folgt teils dem lateinischen Muster.

Bei Datum lautet der Plural die Daten, bei Praktikum die Praktika. Solche Formen sind einzeln zu lernen. Wörterbücher führen sie vollständig.

Wo man Formen und Regeln nachschlägt

Verbindlich ist für die Rechtschreibung das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung, das frei abrufbar ist. Für Beugung und Bedeutung sind der Duden und das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache maßgeblich. Alle drei sind kostenlos zugänglich.

Für regionale Unterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Variantenwörterbuch des Deutschen die genauere Quelle. Es beschreibt abweichende Formen ausdrücklich als korrekt. Bibliotheken führen es meist im Bestand.

Nützlich ist außerdem, Zweifelsfälle einmal in einer Schulgrammatik nachzulesen statt jedes Mal einzeln zu suchen. Die Regeln stehen dort auf wenigen Seiten. Das spart auf Dauer erheblich Zeit.

Häufige Fragen

Heißt es das Interesse?

Es heißt das Interesse. Die Interesse ist falsch — nur der Plural lautet die Interessen.

Wie lautet der Plural?

die Interessen

Wie lautet der Genitiv?

des Interesses

Woran erkennt man das Geschlecht?

An der Wortbildung und der Herkunft — verlässlich ist aber nur der Blick ins Wörterbuch.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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