Inhalt
Kurz gesagt: Es heißt das Wachstum. Es heißt das Wachstum. Einen Plural bildet das Wort in der Standardsprache nicht.
Das Wachstum hat sich verlangsamt.
Warum das Wachstum?
Wörter auf -tum sind im Deutschen fast ausnahmslos sächlich: das Eigentum, das Altertum, das Wachstum. Ausnahmen sind nur der Reichtum und der Irrtum.
Die Beugung
- Nominativ: das Wachstum
- Genitiv: des Wachstums
- Dativ: dem Wachstum
- Akkusativ: das Wachstum
- Plural: kein Plural
Der häufige Fehler
Wer unsicher ist, weicht gern auf eine Umschreibung aus. Das fällt im Text auf. Besser ist es, sich das Wort einmal mit Artikel einzuprägen — Vokabeln lernt man im Deutschen als Paar aus Artikel und Wort, nie als Wort allein.
Warum Wörter auf -tum sächlich sind
Substantive mit der Nachsilbe -tum sind im Deutschen ganz überwiegend sächlich: das Eigentum, das Altertum, das Christentum, das Bürgertum, das Königtum. Wachstum fügt sich in diese Reihe ein. Die Endung entscheidet hier zuverlässiger als das Sprachgefühl.
Es gibt genau zwei geläufige Ausnahmen: der Reichtum und der Irrtum. Beide sind männlich und müssen einzeln gelernt werden. Alle übrigen Bildungen auf -tum sind sächlich.
Die Nachsilbe geht auf ein altes eigenständiges Wort zurück, das Zustand oder Lage bedeutete. Verwandt ist das englische -dom in kingdom oder freedom. Auch dort bezeichnet es einen Zustand oder Bereich.
Woher das Wort kommt
Wachstum gehört zum Verb wachsen, das im Germanischen bereits vorhanden war. Das Substantiv bezeichnet den Vorgang und das Ergebnis des Wachsens. Belegt ist es im Deutschen seit dem Mittelalter.
Nicht verwandt ist das gleichlautende Verb wachsen im Sinn von mit Wachs behandeln. Es leitet sich vom Substantiv Wachs ab. Beide Wörter sind lautlich zusammengefallen.
Diese Doppelung zeigt sich auch in den Formen: gewachsen gehört zum Wachsen im Sinn von größer werden, gewachst zum Behandeln mit Wachs. Der Unterschied ist im Schriftbild klar. Gesprochen sind sie ähnlich.
Beugung und Plural
Im Genitiv heißt es des Wachstums, im Dativ dem Wachstum und im Akkusativ das Wachstum. Eine Genitivform mit zusätzlichem e gibt es nicht. Die Endung -s ist verpflichtend.
Ein Plural ist ungebräuchlich, weil das Wort einen Vorgang bezeichnet. In der Fachsprache begegnet gelegentlich die Form die Wachstümer, sie gilt aber als selten und umstritten. Im Alltag wird stattdessen umschrieben.
In Zusammensetzungen bleibt das Geschlecht sächlich, solange Wachstum am Ende steht: das Wirtschaftswachstum, das Bevölkerungswachstum, das Nullwachstum. Steht es vorn, entscheidet das andere Wort: die Wachstumsrate, der Wachstumsmarkt.
Wachstum in der Wirtschaft
In der Volkswirtschaft bezeichnet Wachstum die Veränderung des Bruttoinlandsprodukts gegenüber der Vorperiode, angegeben in Prozent. Berechnet und veröffentlicht wird es in Deutschland vom Statistischen Bundesamt. Die Zahlen erscheinen vierteljährlich und werden später revidiert.
Unterschieden wird zwischen nominalem und realem Wachstum, wobei nur das reale die Preissteigerung herausrechnet. Für Vergleiche über Jahre ist deshalb der reale Wert maßgeblich. Diese Unterscheidung wird in Berichten häufig unterschlagen.
Zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem realem Wachstum gelten in der öffentlichen Debatte als technische Rezession. Eine amtliche Definition ist das nicht. Fachleute weisen regelmäßig darauf hin.
Wachstum in Biologie und Medizin
In der Biologie bezeichnet Wachstum die Zunahme von Zellzahl oder Zellgröße. Beim Menschen verläuft es in Schüben, mit starken Phasen im ersten Lebensjahr und in der Pubertät. Abgeschlossen ist es, wenn sich die Wachstumsfugen der Knochen schließen.
Beurteilt wird es in der Kinderheilkunde anhand von Perzentilenkurven, die Größe und Gewicht mit Gleichaltrigen vergleichen. Sie stehen im gelben Untersuchungsheft. Eine einzelne Messung sagt dabei wenig, entscheidend ist der Verlauf.
Auffälligkeiten klärt die kinderärztliche Praxis ab. Ursachen können hormonell, ernährungsbedingt oder anlagebedingt sein. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Der häufigste Fehler
Am häufigsten fehlt das Genitiv-s, etwa in trotz des Wachstum. Richtig ist trotz des Wachstums. Bei sächlichen Substantiven ist diese Endung verpflichtend.
Ein zweiter Fehler ist der Artikel bei Zusammensetzungen mit Fugen-s, etwa das Wachstumsrate. Maßgeblich ist der letzte Bestandteil. Weil Rate weiblich ist, heißt es die Wachstumsrate.
Wachstum als politischer Begriff
Seit den 1970er Jahren wird diskutiert, ob dauerhaftes Wirtschaftswachstum auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen möglich ist. Ausgangspunkt war der Bericht Die Grenzen des Wachstums an den Club of Rome aus dem Jahr 1972. Er löste eine bis heute andauernde Debatte aus.
Gegenpositionen verweisen darauf, dass Wachstum und Ressourcenverbrauch sich teilweise entkoppeln lassen, etwa durch Effizienz und Dienstleistungen. Wie weit diese Entkopplung reicht, ist umstritten. Belastbare Aussagen dazu liefern erst lange Zeitreihen.
Alternative Messgrößen wie der Index der menschlichen Entwicklung sollen Wohlstand breiter abbilden als das Bruttoinlandsprodukt. Sie werden ergänzend veröffentlicht. Ersetzt haben sie es bislang nicht.
Wörter mit ähnlicher Bildung
Neben -tum gibt es weitere Nachsilben mit festem Geschlecht: Wörter auf -ung und -heit sind weiblich, Wörter auf -ling und -ig männlich, Wörter auf -chen und -lein sächlich. Diese Regeln decken einen großen Teil des Wortschatzes ab. Sie sind zuverlässiger als jedes Sprachgefühl.
Besonders nützlich ist die Verkleinerungsform: Das Mädchen ist sächlich, obwohl eine weibliche Person gemeint ist. Die Endung schlägt hier die Bedeutung. Lernende stolpern über genau diesen Fall.
Wer diese Endungen kennt, muss nur noch die Wörter ohne erkennbare Endung einzeln lernen. Das reduziert den Aufwand erheblich. Lehrwerke stellen sie deshalb an den Anfang.
Wo man den Artikel nachschlägt
Der Duden und das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache nennen Geschlecht und Beugung gleich zu Beginn jedes Eintrags. Für Wachstum ist der Eintrag eindeutig sächlich. Eine Nebenform gibt es nicht.
Wer die Endungsregeln systematisch lernen möchte, findet sie in jeder Schulgrammatik. Sie stehen dort meist auf einer einzigen Seite. Das lohnt sich mehr als das Lernen einzelner Wörter.
Häufige Fragen
Heißt es das Wachstum?
Es heißt das Wachstum. Einen Plural bildet das Wort in der Standardsprache nicht.
Wie lautet der Plural?
kein Plural
Wie lautet der Genitiv?
des Wachstums
Woran erkennt man das Geschlecht?
An der Wortbildung und der Herkunft — verlässlich ist aber nur der Blick ins Wörterbuch.
Quellen
Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.





