Der oder das Attest? Der richtige Artikel und Plural

Kurz gesagt: Es heißt das Attest. Es heißt das Attest. Der Attest ist falsch.

Das Attest gilt ab Montag.

Warum das Attest?

Aus dem lateinischen attestari für bezeugen. Lateinische Fremdwörter auf -at und -est sind im Deutschen meist sächlich.

Die Beugung

  • Nominativ: das Attest
  • Genitiv: des Attests
  • Dativ: dem Attest
  • Akkusativ: das Attest
  • Plural: die Atteste

Der häufige Fehler

Wer unsicher ist, weicht gern auf eine Umschreibung aus. Das fällt im Text auf. Besser ist es, sich das Wort einmal mit Artikel einzuprägen — Vokabeln lernt man im Deutschen als Paar aus Artikel und Wort, nie als Wort allein.

Woher das Wort kommt

Attest geht auf das lateinische attestari zurück, das bezeugen bedeutet. Darin steckt testis, der Zeuge. Ein Attest ist also wörtlich eine Bezeugung, kein Urteil und keine Anordnung.

Dieselbe Wurzel steckt in einer ganzen Reihe deutscher Fremdwörter: Testament, Testat, Protest und Kontext der Zeugenaussage. Wer diese Verwandtschaft kennt, merkt sich auch die Bedeutung leichter. Sie erklärt zugleich, warum ein Attest immer eine Person voraussetzt, die etwas bestätigt.

Ins Deutsche kam das Wort über die Kanzleisprache des 16. und 17. Jahrhunderts. Damals wurden zahlreiche lateinische Rechtsbegriffe übernommen. Viele davon sind bis heute in Behördentexten geblieben.

Warum Wörter auf -at sächlich sind

Substantive mit der Endung -at, die eine Sache oder ein Ergebnis bezeichnen, sind im Deutschen ganz überwiegend sächlich: das Referat, das Zitat, das Diktat, das Format, das Plakat, das Resultat. Attest fügt sich in diese Reihe ein. Die Endung entscheidet hier zuverlässiger als das Sprachgefühl.

Männlich sind dagegen Wörter auf -at, die Personen bezeichnen, etwa der Kandidat, der Soldat oder der Advokat. Auch einige Sachbezeichnungen fallen heraus, darunter der Apparat und der Automat. Diese Ausnahmen lassen sich als kurze Liste lernen.

Wer also unsicher ist, prüft zuerst, ob eine Person gemeint ist. Ist sie es nicht, ist Sächlich die deutlich wahrscheinlichere Wahl. Bei Attest ist der Fall eindeutig.

Beugung und Plural

Im Genitiv Singular heißt es des Attests oder des Attestes, beide Formen sind zulässig. Der Dativ lautet dem Attest, im gehobenen Stil auch dem Atteste. Der Akkusativ entspricht dem Nominativ.

Der Plural lautet die Atteste, im Genitiv der Atteste und im Dativ den Attesten. Eine Form Attesten im Nominativ gibt es nicht. Sie taucht in Behördentexten trotzdem gelegentlich auf.

Häufig steht das Wort mit einem Adjektiv: ein ärztliches Attest, ein amtsärztliches Attest, ein schulärztliches Attest. Die Endung des Adjektivs folgt dabei dem sächlichen Geschlecht. Deshalb heißt es ein ärztliches und nicht ein ärztlicher.

Attest, Bescheinigung und Gutachten

Ein Attest bestätigt einen festgestellten Zustand, etwa eine Erkrankung oder eine Untauglichkeit für eine bestimmte Tätigkeit. Eine Bescheinigung ist der weitere Oberbegriff und kann auch von Nichtmedizinern ausgestellt werden. Ein Gutachten geht darüber hinaus und enthält eine begründete fachliche Bewertung.

Im Alltag werden die drei Begriffe oft vermischt. Rechtlich ist der Unterschied bedeutsam, weil an ein Gutachten andere Anforderungen gestellt werden. Auch die Vergütung unterscheidet sich deutlich.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist der amtliche Name für den gelben Schein. Umgangssprachlich wird sie meist Attest genannt. Beides meint dasselbe Papier.

Wann im Arbeitsleben eines verlangt wird

Nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz muss die Arbeitsunfähigkeit spätestens ab dem vierten Kalendertag nachgewiesen werden. Der Arbeitgeber darf den Nachweis aber auch früher verlangen, sogar ab dem ersten Tag. Eine Begründung braucht er dafür nicht.

Für gesetzlich Versicherte läuft die Meldung seit 2023 elektronisch: Die Praxis übermittelt die Daten an die Krankenkasse, der Arbeitgeber ruft sie dort ab. Ein Papierausdruck bleibt für die eigenen Unterlagen. Die Pflicht, sich rechtzeitig krankzumelden, entfällt dadurch nicht.

Privat Versicherte und geringfügig Beschäftigte in Privathaushalten sind von diesem Verfahren ausgenommen. Dort gilt weiterhin die Papierform. Die Einzelheiten regelt das Entgeltfortzahlungsgesetz.

Atteste in Schule und Sport

Für Schulen regeln die Länder, ab wann ein ärztliches Attest verlangt werden darf. Meist genügt zunächst eine Entschuldigung der Erziehungsberechtigten. Bei häufigen oder längeren Fehlzeiten kann die Schule ein Attest fordern.

Für die Befreiung vom Sportunterricht ist regelmäßig ein Attest nötig, das Art und Dauer der Einschränkung benennt. Eine vollständige Diagnose muss darin nicht stehen. Die Schule hat kein Recht auf medizinische Einzelheiten.

Im Vereinssport verlangen manche Wettkämpfe ein Attest über die Sporttauglichkeit. Diese Untersuchung ist in der Regel keine Kassenleistung. Die Kosten trägt der Sportler selbst.

Was ein Attest kostet

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Arbeitgeber ist Bestandteil der Krankenbehandlung und damit für gesetzlich Versicherte kostenfrei. Anders sieht es bei Bescheinigungen aus, die nicht der Behandlung dienen. Dazu zählen Atteste für Sportvereine, Reiserücktritte oder Fitnessstudios.

Solche Leistungen werden nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet und privat bezahlt. Die Beträge liegen meist im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich. Eine Auskunft über den Preis muss die Praxis auf Nachfrage geben.

Auch Atteste für Schulen können kostenpflichtig sein, wenn sie über die reine Krankschreibung hinausgehen. In der Praxis stellen viele Ärztinnen und Ärzte sie dennoch ohne Rechnung aus. Ein Anspruch darauf besteht nicht.

Was in einem Attest stehen darf

Ein Attest nennt in der Regel den Zeitraum und die Feststellung der Arbeits- oder Schulunfähigkeit. Die Diagnose gehört nicht auf das Exemplar für den Arbeitgeber. Er hat kein Recht, sie zu erfahren.

Wer die Diagnose freiwillig mitteilt, kann das tun, muss es aber nicht. Die ärztliche Schweigepflicht schützt diese Angaben umfassend. Sie gilt auch gegenüber Vorgesetzten und der Personalabteilung.

Häufige Fragen

Heißt es das Attest?

Es heißt das Attest. Der Attest ist falsch.

Wie lautet der Plural?

die Atteste

Wie lautet der Genitiv?

des Attests

Woran erkennt man das Geschlecht?

An der Wortbildung und der Herkunft — verlässlich ist aber nur der Blick ins Wörterbuch.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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