Zusammen und getrennt schreiben: vier Proben, viele Fälle

Kurzantwort: Vier Proben entscheiden. Liegt der Akzent auf dem ersten Teil, spricht das für Zusammenschreibung. Lässt sich der erste Teil erweitern oder steigern, wird getrennt geschrieben. Entsteht eine neue, übertragene Bedeutung, wird zusammengeschrieben. Bleiben beide Teile eigenständig, stehen sie getrennt.

Ob zwei Wörter zusammen- oder getrenntgeschrieben werden, lässt sich meist entscheiden, ohne eine Liste auswendig zu kennen.

Das amtliche Regelwerk arbeitet mit Kriterien, die du selbst anwenden kannst: Betonung, Erweiterbarkeit, Bedeutung. Für den Alltag reichen vier Proben.

Danach folgen zwanzig Zweifelsfälle, die immer wieder auftauchen, jeweils mit der Schreibung, die das Regelwerk vorsieht.

Probe 1: die Betonung

Sprich die Verbindung laut. Liegt der Hauptakzent auf dem ersten Teil, spricht das für ein Wort.

„Er ist höchstpersönlich gekommen“ trägt den Akzent vorn. „Das ist eine höchst persönliche Angelegenheit“ betont beide Teile. Das Regelwerk nennt die Akzentplatzierung ausdrücklich als Entscheidungshilfe.

Dasselbe funktioniert bei Verbpartikeln: wiedersehen mit Akzent vorn gegenüber wieder sehen im Sinne von „noch einmal sehen“.

Probe 2: Erweitern und steigern

Lässt sich der erste Teil erweitern, steigern oder mit einem Zusatz versehen, wird getrennt geschrieben.

allgemeingültig steht zusammen, sehr allgemein gültig getrennt. schwerverständlich steht zusammen, besonders schwer verständlich getrennt.

Ebenso bei Zeitangaben: jahrelang steht zusammen, mehrere Jahre lang getrennt. Und bei Adverbien: diesmal gegenüber dies eine Mal, zurzeit gegenüber zur Zeit Goethes.

Probe 3: die Bedeutung

Entsteht aus zwei Wörtern eine neue, übertragene Bedeutung, wird zusammengeschrieben.

krankschreiben heißt „für arbeitsunfähig erklären“, nicht „krank schreiben“. kaltstellen im politischen Sinn heißt „ausschalten“, das Getränk dagegen wird kalt gestellt. richtigstellen heißt „berichtigen“.

Bleibt die Bedeutung wörtlich, sind bei Ergebnisangaben beide Schreibungen zulässig: klein schneiden oder kleinschneiden, glatt hobeln oder glatthobeln.

Wenn du dir bei der Bedeutung nicht sicher bist, hilft das Regelwerk mit einer klaren Ansage: Lässt sich nicht entscheiden, ob eine idiomatisierte Gesamtbedeutung vorliegt, bleibt die Wahl den Schreibenden überlassen.

Achte bei dieser Probe auf die Bedeutung, die du meinst. „Sie hat das Radieschen klein geschnitten“ und „kleingeschnitten“ sind beide zulässig, weil das Adjektiv das Ergebnis benennt. Bei „Sie hat den Konkurrenten kaltgestellt“ dagegen ist die übertragene Bedeutung gemeint, und dort steht nur die Zusammenschreibung.

Diese Unterscheidung wirkt kleinlich, hat aber praktische Folgen. In Protokollen und Verträgen kann die Schreibung zeigen, welche Lesart gemeint war.

Probe 4: die Umstellung

Bei Verben zeigt der Satzbau, ob eine trennbare Zusammensetzung vorliegt. Stell den Satz um und sieh, ob die Teile auseinandergehen.

„Dieses Argument kommt hinzu“ trennt die Teile, im Infinitiv stehen sie zusammen: hinzukommen.

Bei untrennbaren Verbindungen bleibt die Reihenfolge fest: „Man maßregelte ihn“ und „ihn zu maßregeln“. Solche Verben schreibst du immer zusammen.

Ein zweiter Test aus dem Regelwerk: Zwischen ein selbstständiges Adverb und den Infinitiv lässt sich ein Satzglied schieben, zwischen Verbpartikel und Verb nicht.

Bei Verbindungen aus Substantiv und Verb hilft eine fünfte Frage: Behält das Substantiv seine eigene Bedeutung? „Rad fahren“ und „Auto fahren“ tun das, deshalb stehen sie getrennt. In teilnehmen, stattfinden und leidtun ist der Substantivteil verblasst, deshalb steht dort ein Wort.

Eine praktische Kontrolle bietet die Substantivierung. Sobald du den Ausdruck mit einem Artikel als Nomen verwendest, wird daraus ohnehin ein Wort: das Fahrradfahren, das Radfahren, das Kennenlernen.

Zwanzig Zweifelsfälle im Überblick

Immer zusammen: hinzukommen, teilnehmen, stattfinden, leidtun, krankschreiben, richtigstellen, schwerfallen, zurzeit (momentan), infolgedessen, jahrelang.

Immer getrennt: Rad fahren, Auto fahren, fertig sein, vorbei sein, baden gehen, laufen lernen, auswendig lernen, wie viel.

Beides zulässig: kennenlernen und kennen lernen, sitzenbleiben und sitzen bleiben in übertragener Bedeutung, achtgeben und Acht geben, maßhalten und Maß halten, sodass und so dass, festangestellt und fest angestellt, selbstgebacken und selbst gebacken.

Bei den Fällen mit zwei zulässigen Schreibungen zählt die Einheitlichkeit im Text. Entscheide dich einmal und bleib dabei.

Wo der Fehler in Texten steckt

In beruflichen Texten fallen drei Gruppen besonders auf. Die erste sind Verbindungen mit Adjektiv, bei denen eine übertragene Bedeutung entstanden ist – schwerfallen, krankschreiben, richtigstellen. Sie werden oft getrennt geschrieben, obwohl sie ein Wort bilden.

Die zweite Gruppe sind Adverbien mit verblassten Bestandteilen: zurzeit, infolgedessen, jederzeit, zumindest. Hier greift derselbe Gedanke wie bei den Verben: Was als Einheit gebraucht wird, steht als Einheit.

Die dritte Gruppe entsteht durch das Gegenteil, nämlich durch Zusammenschreibung, wo getrennt geschrieben wird. Wie viel und Rad fahren gehören dazu, ebenso Verbindungen mit sein wie vorbei sein.

Wer unsicher bleibt, schlägt im Wörterverzeichnis des amtlichen Regelwerks nach. Dort steht zu jedem Eintrag der Paragraf, sodass sich die Entscheidung nachvollziehen lässt und beim nächsten Mal schneller fällt.

Häufige Fragen

Welche Probe hilft am schnellsten?

Die Betonung. Sie klärt die meisten Verbindungen aus Adverb und Verb.

Heißt es spazieren gehen oder spazierengehen?

Verbindungen aus zwei Verben stehen getrennt, also spazieren gehen.

Schreibt man wie viel zusammen?

Nein, getrennt: wie viel und wie viele.

Warum steht bei zurzeit kein Leerzeichen?

Weil die Bedeutung der Einzelteile nicht mehr erkennbar ist. Mit Genitivergänzung wird daraus wieder zur Zeit.

Gilt das auch für Adjektive mit Partizip?

Ja, dort sind viele Verbindungen freigestellt, etwa selbst gebacken und selbstgebacken.

Wo schlage ich Einzelfälle nach?

Im Wörterverzeichnis des amtlichen Regelwerks. Es nennt zu jedem Eintrag den Paragrafen.

Ein letzter Hinweis zur Praxis: Rechtschreibprüfungen in Textprogrammen markieren viele dieser Fälle nicht, weil beide Schreibungen im Wörterbuch stehen. Die Entscheidung bleibt damit bei dir, und die vier Proben sind der schnellste Weg dorthin.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.

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