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Kurzantwort: „Dass“ trägt zwei s, weil nach einem betonten kurzen Vokal der Konsonant verdoppelt wird. Das Amtliche Regelwerk nennt in § 2 genau dieses Beispiel. Bis 1996 schrieb man „daß“, seit der Reform gilt die Schreibung nach Vokallänge. „Das“ mit einem s ist Artikel oder Pronomen und lässt sich durch dieses, jenes oder welches ersetzen.
Bei diesem Paar geht es um zwei Fragen auf einmal. Die erste betrifft die Wortart, die zweite die Schreibung mit s oder ss.
Die Wortart entscheidest du im Satz. Die Schreibung dagegen ist eine reine Rechtschreibregel, und sie hat eine Geschichte.
Hier findest du beides: die Regel zur Unterscheidung und die orthografische Erklärung, warum die Wörter so aussehen, wie sie aussehen.
Warum „dass“ zwei s hat
Das Amtliche Regelwerk regelt die Konsonantenverdopplung in § 2: Folgt im Wortstamm auf einen betonten kurzen Vokal nur ein einzelner Konsonant, wird die Kürze des Vokals durch die Verdopplung des Konsonantenbuchstabens gekennzeichnet.
In der Beispielliste dieses Paragrafen steht „dass (Konjunktion)“ ausdrücklich neben Hass, bisschen, wessen und Prämisse.
Beim Pronomen „das“ ist der Vokal ebenfalls kurz. Trotzdem steht dort nur ein s, und auch das ist geregelt. § 4 zählt acht Fallgruppen auf, in denen nicht verdoppelt wird, darunter die einsilbigen Wörter mit grammatischer Funktion: ab, an, bis, das als Artikel und Pronomen, des, in, man, mit, ob, plus, um, was, wes.
Direkt darunter steht der Hinweis auf die Gegenseite: dann, denn, wann, wenn und dass als Konjunktion folgen der Grundregel aus § 2.
Damit steht der Unterschied schwarz auf weiß im Regelwerk. Zwei Paragrafen, zwei Wortgruppen, ein Buchstabe Unterschied.
Was 1996 geändert wurde
Bis zur Rechtschreibreform von 1996 schrieb man „daß“. Die Reform übernahm die heysesche s-Schreibung, benannt nach dem Grammatiker Johann Christian August Heyse, der von 1764 bis 1829 lebte.
Diese Regel macht die Vokallänge zum Maßstab. Nach kurzem Vokal steht ss, nach langem Vokal oder Diphthong steht ß. Deshalb heißt es heute dass, muss und Fluss, aber Maß, Straße und heißen.
In Österreich-Ungarn war die heysesche Schreibung schon von 1879 bis 1901 in Gebrauch und wurde damals wieder aufgegeben. In der Schweiz und in Liechtenstein spielt sie keine Rolle, dort kann immer ss geschrieben werden.
Die Unterscheidung im Satz
„Das“ tritt in drei Rollen auf.
Als Artikel steht es direkt vor einem Substantiv: das Haus, das Ergebnis, das Wetter.
Als Demonstrativpronomen steht es für eine Sache, die vorher genannt wurde: „Das habe ich nicht gewusst.“
Als Relativpronomen leitet es einen Nebensatz ein, der sich auf ein Substantiv bezieht: „Das Haus, das wir gekauft haben.“
„Dass“ hat dagegen nur eine Aufgabe. Es leitet einen Nebensatz ein, der von einem Verb, einem Substantiv oder einem Adjektiv abhängt: „Ich hoffe, dass es klappt.“ Das Regelwerk ordnet das Komma davor § 73 zu.
Die Proben, die weiterhelfen
Ersatzprobe. Setze dieses, jenes oder welches ein. Klappt es, schreibst du das mit einem s.
Weglassprobe. Streiche das Wort testweise. Bleibt ein vollständiger Satz übrig, war es meist ein Pronomen.
Fragen nach dem Bezug. Frage, worauf sich das Wort bezieht. Findest du ein Substantiv im Neutrum, ist es ein Relativpronomen.
Keine Probe hilft beim Hören, denn beide Wörter klingen gleich. Der Unterschied existiert nur in der Schrift.
ss oder ß: die verwandten Fälle
Dieselbe Logik gilt für viele Wörter, bei denen die Vokallänge zwischen den Formen wechselt. Das Regelwerk zeigt das in § 25 an Reihen wie fließen – er floss – Fluss oder genießen – er genoss – Genuss.
Praktisch heißt das: Sprich das Wort laut und achte auf den Vokal vor dem s-Laut. Ist er kurz, steht ss. Ist er lang oder ein Doppellaut, steht ß.
Ein Sonderfall betrifft die Großschreibung. Bei Versalien kann sowohl das große ẞ als auch SS verwendet werden: STRAẞE oder STRASSE.
Beachte außerdem, dass sich die Schreibung innerhalb einer Wortfamilie ändern kann, weil sich der Vokal ändert. Bei wissen heißt es er weiß mit ß, aber er wusste und wir wissen mit ss.
Typische Fehlerquellen in Texten
Nach Verben des Sagens. Nach sagen, meinen, glauben, hoffen und wissen folgt fast immer die Konjunktion mit Doppel-s.
Am Satzanfang. Beginnt ein Satz mit dem Wort, ist es in aller Regel ein Pronomen: „Das stimmt nicht.“
In festen Wendungen. „Das heißt“ steht mit einem s, „sodass“ und „auf dass“ mit zwei.
Nach so. „So, dass“ und „sodass“ sind beide zulässig. Das Doppel-s bleibt in jedem Fall.
Auffällig ist, wo der Fehler landet. In langen Sätzen mit mehreren Nebensätzen steigt die Fehlerquote, weil die Bezugswörter weiter auseinanderliegen und der Blick beim Schreiben nach vorn wandert.
Ein Gegenmittel ist der kurze Satz. Wer den Nebensatz in einen eigenen Hauptsatz auflöst, braucht die Konjunktion gar nicht mehr. Aus „Ich glaube, dass wir zu spät kommen“ wird dann schlicht „Wir kommen wohl zu spät“.
Häufige Fragen
Ist „daß“ heute falsch?
Ja. Nach der geltenden Regelung wird die Konjunktion mit ss geschrieben.
Gilt das auch in der Schweiz?
Dort wird ohnehin durchgehend ss statt ß geschrieben. An der Unterscheidung von das und dass ändert das nichts.
Warum heißt es „was“ mit einem s?
Es gehört zu den kurzen Formwörtern mit einfachem s, ebenso wie das, des und es.
Wie merke ich mir die Regel dauerhaft?
Über die Ersatzprobe. Sie ist schneller abrufbar als jede Merkformel und funktioniert in fast allen Sätzen.
Steht nach „dass“ das Verb am Ende?
Ja. Die Endstellung des Verbs ist ein zuverlässiges Erkennungszeichen für den Nebensatz.
Wer legt die Rechtschreibung fest?
Der Rat für deutsche Rechtschreibung. Seine aktuelle Fassung des Regelwerks gilt seit dem 1. Juli 2024.
Quellen
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Amtliches Regelwerk 2024, § 2 und § 25 (PDF)
- Wikipedia: Heysesche s-Schreibung
- Duden: das oder dass?
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Geschrieben von Clara, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.






