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Kommasetzung: die Regeln des amtlichen Regelwerks

Kurzantwort: Das Komma hat im Deutschen drei Aufgaben. Es zeigt eine Reihung an (§ 70), es grenzt einen Zusatz ab (§ 72) und es markiert einen Nebensatz (§ 73). Vor wiederholbaren Konjunktionen wie und und oder steht kein Komma (§ 71). Seit dem 1. Juli 2024 gilt: Erweiterte Infinitivgruppen mit zu werden immer mit Komma abgetrennt.

Wer Kommaregeln als Liste lernt, kommt auf zwanzig Einzelfälle und verliert den Überblick. Das amtliche Regelwerk kommt für das Komma mit vier Paragrafen aus.

Zuständig ist der Rat für deutsche Rechtschreibung. Sein überarbeitetes Regelwerk ist seit dem 1. Juli 2024 für Schulen und Behörden verbindlich, und es hat die Kommaregeln neu geordnet.

Unten stehen die vier Regeln, ihre Beispiele und die beiden Punkte, die sich 2024 geändert haben.

Die drei Aufgaben des Kommas

Das Regelwerk beschreibt das Komma über seine Funktion. Es trennt Gleichrangiges, es grenzt Zusätze ab, und es markiert untergeordnete Sätze.

Diese Sortierung hilft beim Schreiben. Statt zu fragen „Steht hier ein Komma?“ fragst du: Reihe ich hier etwas? Schiebe ich etwas ein? Hänge ich einen Nebensatz an?

Alles andere sind Anwendungen dieser drei Fälle, auch die Anrede in der E-Mail und das Komma im Datum.

Regel 1: Reihungen (§ 70)

Zwischen gleichrangigen Teilen steht ein Komma, solange keine wiederholbare Konjunktion sie verbindet.

„Äpfel, Birnen, Bananen sind ganzjährig verfügbar.“ „Die Musik wird leiser, der Vorhang hebt sich, das Spiel beginnt.“

Auch mehrere Nebensätze auf derselben Ebene werden gereiht: „Sie sagte, dass sie von nichts wisse, dass sie es nicht gewesen sei.“

Bei Adjektiven entscheidet die Bedeutung. „Neue, umweltfreundliche Verfahren“ meint Verfahren, die neu und zugleich umweltfreundlich sind. „Neue umweltfreundliche Verfahren“ meint die neuen unter den umweltfreundlichen Verfahren. Das Komma verändert hier die Aussage.

Regel 2: Konjunktionen (§ 71)

Vor wiederholbaren Konjunktionen steht kein Komma. Dazu zählen und, oder, sowie, wie, beziehungsweise sowie die Paare sowohl … als auch, weder … noch und entweder … oder.

„Äpfel, Birnen sowie Bananen sind ganzjährig verfügbar.“ „Er isst am liebsten Äpfel oder Birnen oder auch Bananen.“

Anders liegt der Fall bei aber, doch, jedoch und sondern. Diese Konjunktionen drücken einen Gegensatz aus, vor ihnen steht ein Komma: „Der März war sonnig, aber kalt.“

Verbindet und zwei Sätze, die je für sich stehen könnten, darfst du ein Komma setzen, um den Aufbau sichtbar zu machen. Das Regelwerk nennt die Variante mit Komma in seinem Beispiel ausdrücklich besser: „Ich fotografierte die Berge, und meine Frau machte einen Spaziergang.“

Regel 3: Zusätze (§ 72)

Ein Zusatz tritt zu einem bereits vollständigen Satz hinzu, ohne grammatisch eingebaut zu sein. Steht er mitten im Satz, bekommt er links und rechts ein Komma.

„Bello, der Hund unserer Nachbarn, bellt die ganze Nacht.“ „Eines Tages, es war mitten im Sommer, hagelte es.“

Dazu gehören auch Anreden und Ausrufe: „Herr Meyer, hören Sie doch mal zu.“

Hier liegt die erste Änderung von 2024. Bei mehrteiligen Orts- und Zeitangaben ist das schließende Komma nicht mehr freigestellt, sondern Pflicht: „Am Freitag, den 25. September, feiern sie ihre Silberhochzeit.“ Früher durfte das zweite Komma fehlen.

Umgekehrt wurde eine Stelle gelockert. Bei nachgestellten Erläuterungen kann das schließende Komma entfallen, wenn du die Erläuterung als verkürztes Satzglied liest: „Auf der Ausstellung waren viele skandinavische Firmen, insbesondere finnische(,) vertreten.“

Regel 4: Nebensätze (§ 73)

Nebensätze werden mit Komma abgegrenzt, eingeschobene links und rechts.

„Es freut mich, dass du wieder gesund bist.“ „Das Buch, das ich mitgebracht habe, liegt auf dem Tisch.“ „Anna lag, als ich sie anrief, schon im Bett.“

Auch Nebensätze ohne einleitendes Wort zählen dazu: „Regnet es, bleiben wir im Haus.“

Hier liegt die zweite Änderung von 2024. Erweiterte Infinitivgruppen mit zu gelten jetzt als infinite Nebensätze und werden immer mit Komma abgetrennt: „Die Wahl zu gewinnen, hofften alle.“ Vorher war das Komma in vielen dieser Fälle freigestellt.

Nicht erweiterte Infinitive bleiben beweglich. „Kim hat versucht, abzunehmen“ und „Kim hat versucht abzunehmen“ sind beide zulässig, je nachdem, ob du den Infinitiv als eigenen Nebensatz oder als Wortgruppe liest.

Kein Komma steht, wenn der Infinitiv mit dem übergeordneten Verb ein mehrteiliges Prädikat bildet: „Sie hat ihren Chef nicht zu fragen gewagt.“ Anders bei „Sie hat nicht gewagt, ihren Chef zu fragen.“

Die Kommas, die am häufigsten fehlen

Das zweite Komma nach einem Einschub bleibt am häufigsten liegen. Wer „Anna lag, als ich sie anrief schon im Bett“ schreibt, hat die Klammer nur halb geschlossen.

Ebenso oft fehlt das Komma nach einem Relativsatz im Satzinneren: „Das Buch, das ich mitgebracht habe, liegt auf dem Tisch.“

Und ein Komma kann direkt vor und stehen, wenn dort ein Nebensatz endet: „Er sagte, dass er müde sei, und ging ins Bett.“ Das Komma gehört zum Nebensatz, nicht zur Konjunktion.

Zum Nachschlagen lohnt der Blick in das Regelwerk selbst. Am Ende des Kommakapitels steht eine Sammlung besonderer Fälle, darunter formelhafte Wendungen und mehrdeutige Konstruktionen mit zu-Infinitiv. Die Beispiele dort sind kurz und decken die meisten Zweifelsfälle des Alltags ab.

Häufige Fragen

Wie viele Kommaregeln gibt es?

Das amtliche Regelwerk behandelt das Komma in den §§ 70 bis 73, also in vier Paragrafen mit Erläuterungen.

Steht vor „und“ ein Komma?

In Aufzählungen nicht. Zwischen zwei vollständigen Hauptsätzen darf eines stehen, verpflichtend ist es nicht.

Was hat sich 2024 geändert?

Erweiterte Infinitivgruppen bekommen jetzt immer ein Komma, und das schließende Komma bei mehrteiligen Zeit- und Ortsangaben ist Pflicht.

Seit wann gilt das neue Regelwerk?

Seit dem 1. Juli 2024 ist es für Schulen und Verwaltung verbindlich.

Gilt die Faustregel „Komma, wo man Luft holt“?

Nein. Sie trifft oft zufällig zu und führt bei längeren Sätzen regelmäßig in die Irre.

Steht vor „dass“ immer ein Komma?

Ja, weil dass einen Nebensatz einleitet.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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