Der oder das Bericht? Der richtige Artikel und Plural

Kurz gesagt: Es heißt der Bericht. Es heißt der Bericht. Das Bericht ist falsch.

Der Bericht liegt dem Vorstand vor.

Warum der Bericht?

Vom Verb berichten abgeleitet. Substantive, die ohne Endung aus einem Verb entstehen, sind meist männlich: der Wurf, der Fall, der Bericht.

Die Beugung

  • Nominativ: der Bericht
  • Genitiv: des Berichts
  • Dativ: dem Bericht
  • Akkusativ: den Bericht
  • Plural: die Berichte

Der häufige Fehler

Wer unsicher ist, weicht gern auf eine Umschreibung aus. Das fällt im Text auf. Besser ist es, sich das Wort einmal mit Artikel einzuprägen — Vokabeln lernt man im Deutschen als Paar aus Artikel und Wort, nie als Wort allein.

Woher das Wort kommt

Bericht gehört zum Verb berichten, das im Mittelhochdeutschen berihten lautete und ursprünglich zurechtmachen oder in Ordnung bringen bedeutete. Darin steckt dasselbe recht wie in richtig und richten. Die heutige Bedeutung des Mitteilens hat sich daraus erst entwickelt.

Diese Herkunft erklärt einen Zug, der dem Wort geblieben ist: Ein Bericht ordnet, er erzählt nicht bloß. Er soll den Sachverhalt in eine nachvollziehbare Form bringen. Genau das unterscheidet ihn von der bloßen Erzählung.

Verwandt sind auch Berichterstattung und der ältere Ausdruck Bericht erstatten. Beide sind bis heute in der Amts- und Pressesprache üblich. Ihre Bedeutung ist unverändert geblieben.

Warum Bericht männlich ist

Substantive, die aus einem Verb mit der Vorsilbe be- ohne weitere Endung gebildet werden, sind im Deutschen fast durchgängig männlich: der Besuch, der Beginn, der Betrieb, der Bedarf, der Beweis, der Befund, der Beschluss. Bericht fügt sich genau in diese Reihe ein. Wer eines dieser Wörter sicher beherrscht, kann daraus die übrigen ableiten.

Sobald eine Endung hinzukommt, ändert sich das Bild: Mit -ung wird das Wort weiblich, wie in Berichterstattung oder Bewegung. Mit ge- wird es meist sächlich, wie in das Gebäude oder das Gebot. Die Vorsilbe allein entscheidet also nicht.

Diese Regel ist eine der zuverlässigsten im deutschen Genussystem. Ausnahmen sind selten und meist alte Wörter. Für den Alltag reicht sie vollständig aus.

Beugung und Plural

Im Genitiv heißt es des Berichts oder des Berichtes, beide Formen sind korrekt. Im Dativ steht dem Bericht, das angehängte e gilt heute als gehoben. Der Akkusativ lautet den Bericht.

Der Plural ist die Berichte, im Dativ den Berichten. Eine Form Berichter gibt es nicht, wohl aber den Berichterstatter als Personenbezeichnung. Diese beiden werden gelegentlich verwechselt.

Bei Zusammensetzungen bleibt das Geschlecht des letzten Bestandteils maßgeblich. Deshalb heißt es der Jahresbericht, der Wetterbericht und der Zwischenbericht. Das gilt auch dann, wenn der erste Teil weiblich oder sächlich ist.

Wichtige Zusammensetzungen

Im Berufsleben begegnen vor allem Geschäftsbericht, Lagebericht, Jahresbericht, Quartalsbericht und Tätigkeitsbericht. Im Studium kommen Praktikumsbericht und Laborbericht hinzu. Alle folgen demselben Muster und sind männlich.

Im Alltag sind Wetterbericht, Unfallbericht und Erfahrungsbericht geläufig. Der Verkehrsbericht ist im Rundfunk noch verbreitet, wird aber zunehmend durch Verkehrsmeldungen ersetzt. Der Begriff selbst bleibt davon unberührt.

Im Journalismus ist der Bericht eine eigene Textform zwischen Meldung und Reportage. Er ist länger als eine Meldung und sachlicher als eine Reportage. Der Kommentar unterscheidet sich davon durch die offene Wertung.

Der Lagebericht im Handelsrecht

Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften müssen nach dem Handelsgesetzbuch neben dem Jahresabschluss einen Lagebericht aufstellen. Er beschreibt Geschäftsverlauf, Lage und voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens. Kleine Gesellschaften sind davon befreit.

Der Lagebericht wird vom Abschlussprüfer geprüft und im Unternehmensregister offengelegt. Damit ist er öffentlich zugänglich. Für Geschäftspartner ist er häufig die einzige belastbare Informationsquelle.

Nicht zu verwechseln ist er mit dem Geschäftsbericht, der freiwillig erscheint und meist auch Bilder, Interviews und Strategieaussagen enthält. Der Lagebericht ist Pflicht, der Geschäftsbericht ist Kür. In der Praxis erscheinen beide oft in einem Band.

Bericht erstatten und ähnliche Wendungen

Die Wendung Bericht erstatten stammt aus der Amtssprache und ist bis heute üblich. Sie steht ohne Artikel, also nicht einen Bericht erstatten. Solche festen Verbindungen aus Substantiv und Verb heißen Funktionsverbgefüge.

Ähnlich gebaut sind Anzeige erstatten, Antrag stellen und Rechenschaft ablegen. Auch dort fehlt der Artikel. Wer ihn einsetzt, klingt umständlich, macht aber keinen Fehler.

Umgangssprachlich verbreitet ist außerdem etwas zu Bericht bringen, das als veraltet gilt. In modernen Texten sollte es vermieden werden. Berichten allein genügt.

Wie ein Bericht aufgebaut wird

Ein Bericht beantwortet in der Regel die sechs klassischen Fragen: wer, was, wann, wo, wie und warum. Er beginnt mit dem Wichtigsten und ergänzt die Einzelheiten danach. Diese Reihenfolge heißt in der Journalistenausbildung umgekehrte Pyramide.

Sprachlich bleibt er sachlich und verzichtet auf Wertungen und Ausschmückungen. Als Zeitform ist das Präteritum üblich. Wörtliche Zitate werden gekennzeichnet und der Quelle zugeordnet.

In Schule und Ausbildung wird genau dieser Aufbau geübt, etwa beim Unfall- oder Praktikumsbericht. Bewertet werden dabei Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit. Der eigene Eindruck gehört, wenn überhaupt, in einen eigenen Abschnitt.

Der häufigste Fehler beim Artikel

Verwechslungen entstehen fast immer bei Zusammensetzungen, in denen der erste Bestandteil ein anderes Geschlecht hat, etwa die Lage im Lagebericht oder das Jahr im Jahresbericht. Maßgeblich ist aber immer der letzte Bestandteil. Es heißt deshalb der Lagebericht und der Jahresbericht.

Diese Regel gilt im Deutschen ausnahmslos für zusammengesetzte Substantive. Sie ist damit eine der wenigen Genusregeln ohne Ausnahmen. Wer sie kennt, spart sich das Nachschlagen.

Bericht in anderen Sprachen

Im Englischen entspricht dem Wort report, im Französischen rapport, im Niederländischen bericht. Das niederländische Wort ist derselbe Stamm, hat dort aber sächliches Geschlecht: het bericht. Wer beide Sprachen nutzt, verwechselt den Artikel deshalb leicht.

Ähnliches gilt für Bericht im Schweizerdeutschen und im österreichischen Amtsdeutsch, wo das Wort ebenfalls männlich ist. Abweichungen gibt es nur in Zusammensetzungen. Der Grundartikel bleibt in allen drei Ländern gleich.

Häufige Fragen

Heißt es der Bericht?

Es heißt der Bericht. Das Bericht ist falsch.

Wie lautet der Plural?

die Berichte

Wie lautet der Genitiv?

des Berichts

Woran erkennt man das Geschlecht?

An der Wortbildung und der Herkunft — verlässlich ist aber nur der Blick ins Wörterbuch.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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