Französische Verben konjugieren: die drei Verbgruppen

Kurz gesagt: Französische Verben werden in drei Gruppen eingeteilt: Verben auf -er, Verben auf -ir mit Erweiterung -iss- und die unregelmäßigen Verben der dritten Gruppe. Die erste Gruppe umfasst den weitaus größten Teil.

Wer die Endungen der ersten Gruppe kann, beherrscht schon die Mehrzahl aller französischen Verben.

Erste Gruppe: -er

parler (sprechen): je parle · tu parles · il parle · nous parlons · vous parlez · ils parlent

Die Formen parle, parles und parlent klingen gleich – der Unterschied ist nur geschrieben sichtbar. Das ist eine der häufigsten Fehlerquellen im Diktat.

Einzige Ausnahme dieser Gruppe ist aller (gehen), das unregelmäßig ist.

Zweite Gruppe: -ir mit -iss-

finir (beenden): je finis · tu finis · il finit · nous finissons · vous finissez · ils finissent

Kennzeichen ist das eingeschobene -iss- im Plural. Dazu gehören etwa choisir, réussir, grandir.

Dritte Gruppe: unregelmäßig

Rund 350 Verben, darunter die häufigsten überhaupt.

être (sein): je suis · tu es · il est · nous sommes · vous êtes · ils sont

avoir (haben): j’ai · tu as · il a · nous avons · vous avez · ils ont

aller (gehen): je vais · tu vas · il va · nous allons · vous allez · ils vont

faire (machen): je fais · tu fais · il fait · nous faisons · vous faites · ils font

Die wichtigsten Zeiten

Présent. Gegenwart.

Passé composé. Die übliche Vergangenheit im Gespräch, gebildet mit avoir oder être plus Partizip.

Imparfait. Zustände, Gewohnheiten, Beschreibungen.

Futur simple. Endungen an den Infinitiv: je parlerai.

Avoir oder être im Passé composé

Die meisten Verben nehmen avoir. Mit être stehen die reflexiven Verben und eine überschaubare Gruppe von Bewegungsverben wie aller, venir, partir, rester, naître, mourir.

Bei être richtet sich das Partizip nach dem Subjekt: elle est partie.

Reflexive Verben

Reflexive Verben tragen im Infinitiv ein vorangestelltes se, etwa se laver. Konjugiert wird das Verb regelgerecht, das Reflexivpronomen richtet sich nach der Person: je me lave, tu te laves, il se lave. Vor Vokal wird das Pronomen verkürzt.

Im Passé composé nehmen alle reflexiven Verben être als Hilfsverb, und das Partizip wird in Geschlecht und Zahl angeglichen. Elle s’est levée ist das Standardbeispiel. Diese Angleichung ist eine der häufigsten Fehlerquellen.

Viele Verben ändern mit dem Pronomen ihre Bedeutung, etwa rendre und se rendre. Solche Paare werden am besten gemeinsam gelernt. Eine wörtliche Übertragung ins Deutsche führt hier regelmäßig in die Irre.

Verneinung und Frage

Die Verneinung umklammert das gebeugte Verb: je ne parle pas. In zusammengesetzten Zeiten steht die Klammer um das Hilfsverb: je n’ai pas parlé. Diese Position ist fest und ändert sich nicht.

In der gesprochenen Sprache fällt das ne häufig weg, was in der Schriftsprache jedoch als Fehler gilt. Für Prüfungen ist die vollständige Form zu verwenden. Im Hörverstehen sollte man die verkürzte kennen.

Fragen lassen sich auf drei Wegen bilden: durch Intonation, mit est-ce que oder durch Inversion von Verb und Pronomen. Die Inversion gilt als förmlich, est-ce que als neutral. Für den Alltag reicht die Intonationsfrage.

Stammveränderungen bei -er-Verben

Auch scheinbar regelmäßige Verben ändern ihren Stamm, wenn die Betonung wechselt. Bei acheter wird aus e ein è in den betonten Formen: j’achète, aber nous achetons. Diese Änderung folgt der Aussprache.

Bei appeler und jeter wird stattdessen der Konsonant verdoppelt: j’appelle, nous appelons. Verben auf -yer wandeln das y in den betonten Formen zu i. Die Muster sind überschaubar und betreffen häufige Verben.

Verben auf -cer und -ger passen die Schreibung vor a und o an, damit die Aussprache erhalten bleibt: nous commençons, nous mangeons. Das ist reine Rechtschreibung, keine Formänderung. Trotzdem wird es häufig vergessen.

Der Subjonctif

Der Subjonctif steht nach Ausdrücken des Wunsches, der Notwendigkeit, des Zweifels und der Gefühlsäußerung, fast immer nach que. Il faut que tu viennes ist der Musterfall. Im Deutschen gibt es dafür keine direkte Entsprechung.

Gebildet wird er bei den meisten Verben aus dem Stamm der dritten Person Plural im Présent plus feste Endungen. Unregelmäßig sind vor allem être, avoir, aller, faire, pouvoir und savoir. Diese sechs sollten auswendig sitzen.

Für den Alltag reicht zunächst der Subjonctif présent. Die weiteren Formen sind in der gesprochenen Sprache selten. Sie begegnen vor allem in literarischen Texten.

Der Imperativ

Der Imperativ existiert für drei Personen und verwendet die Formen des Présent ohne Pronomen: parle, parlons, parlez. Bei -er-Verben entfällt in der zweiten Person Singular das s. Vor y und en kehrt es zurück.

Bei reflexiven Verben wird das Pronomen im bejahten Imperativ angehängt und in der zweiten Person zu toi: lève-toi. In der Verneinung steht es davor: ne te lève pas. Dieser Wechsel ist eine typische Fehlerquelle.

Höflichkeit wird meist nicht über den Imperativ, sondern über den Conditionnel ausgedrückt. Pourriez-vous… klingt deutlich freundlicher als ein Befehl. Im Alltag ist das die gebräuchlichere Form.

In welcher Reihenfolge lernen

Sinnvoll ist, mit dem Présent der ersten Gruppe zu beginnen und sofort die sechs häufigsten unregelmäßigen Verben dazuzunehmen. Danach folgen Passé composé und Futur composé mit aller, weil sich damit bereits Alltagssituationen bewältigen lassen. Das Imparfait kommt anschließend.

Der Subjonctif wird oft zu lange aufgeschoben, obwohl er in Alltagsgesprächen ständig vorkommt. Ein früher Einstieg mit fünf festen Wendungen genügt für den Anfang. Die Systematik kann später folgen.

Wer täglich zehn Minuten übt, kommt schneller voran als mit einer langen Einheit pro Woche. Wiederholung schlägt Umfang. Das gilt für alle Konjugationen.

Häufige Fragen

Welche Gruppe ist die größte?

Die erste, mit Abstand.

Warum klingen mehrere Formen gleich?

Weil die Endungen -e, -es und -ent nicht gesprochen werden. Geschrieben müssen sie trotzdem stimmen.

Welche Verben sollte man zuerst lernen?

être, avoir, aller und faire – sie treten in fast jedem Satz auf.

Welches Hilfsverb nehmen reflexive Verben?

Immer être, mit Angleichung des Partizips.

Wo steht die Verneinung in zusammengesetzten Zeiten?

Um das Hilfsverb herum.

Wann braucht man den Subjonctif?

Nach Wunsch, Zweifel und Notwendigkeit mit que.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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