Kommasetzung üben: Übungssätze mit Lösung und Regel

Kurz gesagt: Kommasetzung lernt man nicht durch Regeln, sondern durch Sätze. Unten stehen zwölf Übungssätze mit Lösung und Begründung – geordnet nach den vier Fällen, die im Alltag über 90 Prozent aller Kommas ausmachen.

Erst selbst setzen, dann die Lösung ansehen. Wer direkt weiterliest, übt nicht.

Fall 1: Aufzählung

Zwischen gleichrangigen Teilen steht ein Komma. Vor und und oder steht keines.

1. Wir kaufen Brot Butter Käse und Milch.

2. Der Vortrag war lang trocken und schlecht vorbereitet.

Lösung: Brot, Butter, Käse und Milch. – lang, trocken und schlecht vorbereitet.

Fall 2: Nebensatz

Nebensätze werden immer abgetrennt. Steht der Nebensatz mittendrin, bekommt er auf beiden Seiten ein Komma.

3. Ich weiß dass du recht hast.

4. Der Mann der gestern anrief hat sich nicht gemeldet.

5. Wenn es regnet bleiben wir zu Hause.

Lösung: Ich weiß, dass du recht hast. – Der Mann, der gestern anrief, hat sich nicht gemeldet. – Wenn es regnet, bleiben wir zu Hause.

Satz 4 ist der klassische Fehler: Das zweite Komma wird häufig vergessen.

Fall 3: Hauptsätze mit „und“

Vor und zwischen zwei vollständigen Hauptsätzen ist das Komma freiwillig. Es hilft, wenn der Satz sonst schwer zu lesen wäre.

6. Er kochte das Essen und sie deckte den Tisch.

7. Sie öffnete die Tür und der Hund lief hinaus.

Lösung: Beide Sätze sind mit und ohne Komma richtig.

Fall 4: Erweiterter Infinitiv

Ein Infinitiv mit zu und weiteren Wörtern wird abgetrennt, wenn er durch um, ohne, statt, anstatt oder außer eingeleitet wird oder auf ein Substantiv verweist.

8. Er ging zur Bank um Geld abzuheben.

9. Sie verließ den Raum ohne ein Wort zu sagen.

10. Ich habe vergessen einzukaufen.

Lösung: zur Bank, um Geld abzuheben. – den Raum, ohne ein Wort zu sagen. – Satz 10 bleibt ohne Komma, der Infinitiv ist nicht erweitert.

Gemischt

11. Nachdem wir gegessen hatten gingen wir spazieren und redeten über den Sommer der so schnell vorbei war.

12. Bitte sag mir wann du kommst damit ich planen kann.

Lösung: Nachdem wir gegessen hatten, gingen wir spazieren und redeten über den Sommer, der so schnell vorbei war. – Bitte sag mir, wann du kommst, damit ich planen kann.

Die Probe für den Alltag

Wo im Satz ein eigenes gebeugtes Verb steht, beginnt ein neuer Teilsatz – und der braucht eine Grenze. Zählt man die Verben, findet man die meisten fehlenden Kommas.

Fall 5: Einschübe und Appositionen

Nachgestellte Erläuterungen werden in Kommas eingeschlossen: „Mein Bruder, ein gelernter Tischler, baut den Schrank.“ Das zweite Komma wird häufig vergessen, obwohl es zwingend ist. Ohne es fehlt der Klammerschluss.

Dieselbe Regel gilt bei Anreden und bei nachgestellten Zusätzen mit „nämlich“, „und zwar“ oder „das heißt“. Auch Ortsangaben nach einem Namen werden eingeschlossen. Diese Fälle machen einen großen Teil der Fehler aus.

Übung: „Frau Meier unsere Nachbarin hat angerufen.“ Richtig lautet der Satz „Frau Meier, unsere Nachbarin, hat angerufen.“ Beide Kommas sind nötig.

Fall 6: aber, sondern, doch

Vor entgegensetzenden Konjunktionen steht ein Komma, auch wenn kein vollständiger Satz folgt: „Das Ergebnis war gut, aber nicht ausreichend.“ Diese Regel gilt für aber, sondern, doch, jedoch und allein in der Bedeutung von aber. Sie ist eine der wenigen ausnahmslosen Kommaregeln.

Anders liegt der Fall bei „und“ und „oder“: Dort ist das Komma zwischen Hauptsätzen freiwillig und dient der Gliederung. Wer es setzt, macht keinen Fehler. Wer es weglässt, ebenso wenig.

Übung: „Ich wollte anrufen aber das Telefon war besetzt.“ Richtig ist ein Komma vor „aber“. Das gilt unabhängig von der Satzlänge.

Fall 7: Vergleiche mit wie und als

Vor einem bloßen Vergleich ohne eigenes Verb steht kein Komma: „Er ist so groß wie sein Bruder.“ Folgt dagegen ein vollständiger Nebensatz, wird abgetrennt: „Er ist größer, als ich dachte.“ Entscheidend ist, ob ein Verb folgt.

Diese Unterscheidung erklärt die meisten Unsicherheiten bei „wie“ und „als“. Bei Aufzählungen mit „wie zum Beispiel“ ist ein Komma zulässig, wenn der Einschub abgegrenzt werden soll. Zwingend ist es nicht.

Übung: „Das dauerte länger als geplant.“ Hier folgt kein Verb, also kein Komma. „Das dauerte länger, als wir geplant hatten“ braucht dagegen eines.

Fall 8: Datum, Ort und Anschrift

Bei Datumsangaben mit Wochentag wird der Zusatz eingeschlossen: „Am Montag, dem 3. März, beginnt der Kurs.“ Wird der Satz nach der Jahreszahl fortgesetzt, folgt ebenfalls ein Komma. Diese Fälle sind in der Norm für Geschäftsbriefe geregelt.

Bei Anschriften im Fließtext werden die Teile durch Kommas getrennt: „Sie wohnt in der Hauptstraße 5, 10115 Berlin, im dritten Stock.“ Die Postleitzahl bleibt dabei mit dem Ort zusammen. Nach dem letzten Teil folgt ein Komma, wenn der Satz weitergeht.

Übung: „Die Sitzung findet am Dienstag dem 4. Juni statt.“ Richtig ist „am Dienstag, dem 4. Juni, statt“. Beide Kommas gehören dazu.

Weitere gemischte Übungen

Setzen Sie die Kommas: „Wenn du fertig bist ruf mich an.“ Richtig ist ein Komma nach „bist“, weil ein vorangestellter Nebensatz abgetrennt wird. Der Hauptsatz folgt danach.

Nächster Satz: „Sie kaufte Brot Butter Käse und Milch.“ Zwischen den Aufzählungsgliedern stehen Kommas, vor dem abschließenden „und“ nicht. Das ergibt drei Kommas.

Schwieriger: „Er versuchte den Termin zu verschieben was nicht gelang.“ Der erweiterte Infinitiv kann mit Komma abgetrennt werden, der Relativsatz muss es. Richtig ist mindestens ein Komma vor „was“.

Wie man Kommas zuverlässig prüft

Am wirksamsten ist es, jeden Satz auf Verben zu prüfen: Jedes gebeugte Verb gehört zu einem Satz, und Sätze werden voneinander abgetrennt. Wer die Verben zählt, findet die Satzgrenzen. Diese Methode ersetzt fast alle Einzelregeln.

Bei langen Sätzen hilft es, sie laut zu lesen und auf natürliche Pausen zu achten. Die Pause ist kein sicheres Kriterium, weist aber auf Stellen hin, die zu prüfen sind. In Kombination mit der Verbprobe funktioniert das gut.

Wer unsicher bleibt, teilt den Satz. Zwei kurze Sätze sind meist verständlicher als ein langer mit vier Kommas. Für Leserinnen und Leser ist das ohnehin der größere Gewinn.

Häufige Fragen

Steht vor „und“ ein Komma?

In Aufzählungen nein. Zwischen zwei Hauptsätzen ist es freiwillig.

Steht vor „sondern“ ein Komma?

Ja, immer.

Und vor „wie“?

Bei einem reinen Vergleich nein. Leitet wie einen Nebensatz ein, ja.

Steht vor „aber“ immer ein Komma?

Ja, das ist eine ausnahmslose Regel.

Wann steht vor „als“ ein Komma?

Wenn ein Nebensatz mit eigenem Verb folgt.

Wie findet man Satzgrenzen?

Über die gebeugten Verben im Satz.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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