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Kurzantwort: Im Deutschen trennt das Komma Gleichrangiges, grenzt Zusätze ab und markiert Nebensätze. Vor und und oder steht in Aufzählungen kein Komma, vor aber und sondern immer. Seit dem 1. Juli 2024 werden erweiterte Infinitivgruppen mit zu immer mit Komma abgetrennt.
Das Komma ist im Deutschen ein grammatisches Zeichen. Es folgt dem Satzbau, nicht der Atempause beim Sprechen.
Wer nach Gehör setzt, trifft in kurzen Sätzen oft zufällig das Richtige und liegt in langen Sätzen daneben. Deshalb lohnt der Blick auf die Fallgruppen.
Der folgende Überblick geht die Gruppen der Reihe nach durch: Aufzählung, Nebensatz, Infinitiv- und Partizipgruppe, Anrede und Datum, Zahlen. Am Ende stehen die Fehler, die am häufigsten vorkommen.
Was das Komma leisten soll
Das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung ordnet das Komma drei Funktionen zu. Es zeigt eine Reihung an, es kennzeichnet einen Zusatz, und es grenzt einen Nebensatz ab.
Diese drei Funktionen decken alle Einzelfälle ab. Auch das Komma nach der Anrede in einer E-Mail gehört zu den Zusätzen, und das Komma in „Am Freitag, den 25. September, …“ ebenfalls.
Das aktuelle Regelwerk ist seit dem 1. Juli 2024 für Schulen und Verwaltung verbindlich. Zwei Änderungen betreffen das Komma unmittelbar, sie stehen weiter unten.
Aufzählungen und Adjektive
Zwischen gleichrangigen Wörtern, Wortgruppen und Sätzen steht ein Komma: „Ich kaufte Kartoffeln, Nudeln und Salat.“ Vor dem und am Ende steht keines.
Dasselbe gilt für oder, sowie, beziehungsweise und für die Paare sowohl … als auch, weder … noch, entweder … oder.
Vor aber, doch, jedoch und sondern steht dagegen ein Komma, weil sie einen Gegensatz ausdrücken: „Der März war sonnig, aber kalt.“
Bei gereihten Adjektiven entscheidet die Bedeutung. „Neue, umweltfreundliche Verfahren“ sind neu und umweltfreundlich zugleich. „Neue umweltfreundliche Verfahren“ sind die neuen unter den umweltfreundlichen. Beide Schreibungen sind korrekt und meinen Verschiedenes.
Nebensätze und Relativsätze
Jeder Nebensatz wird mit Komma abgegrenzt, gleich ob er hinten, vorn oder mittendrin steht.
„Es freut mich, dass du wieder gesund bist.“ „Als er nach Hause kam, war es schon spät.“ „Anna lag, als ich sie anrief, schon im Bett.“
Steht der Nebensatz im Satzinneren, braucht er zwei Kommas. Das zweite bleibt am häufigsten liegen.
Relativsätze funktionieren genauso: „Das Buch, das ich mitgebracht habe, liegt auf dem Tisch.“
Auch Nebensätze ohne einleitendes Wort zählen dazu: „Regnet es, bleiben wir im Haus.“ Und indirekte Rede ohne dass: „Früher dachte man, die Erde sei eine Scheibe.“
Infinitiv- und Partizipgruppen
Hier liegt die wichtigste Neuerung. Erweiterte Infinitivgruppen mit zu gelten seit 2024 als infinite Nebensätze und bekommen immer ein Komma.
„Die Wahl zu gewinnen, hofften alle.“ „Der Minister hat bedauert, das Kabinett nicht überzeugen zu können.“ „Sie fährt nach Regensburg, um ihre Freundin zu besuchen.“
Bei nicht erweiterten Infinitiven hast du weiterhin die Wahl: „Kim hat versucht, abzunehmen“ oder „Kim hat versucht abzunehmen“.
Kein Komma steht, wenn Infinitiv und übergeordnetes Verb ein mehrteiliges Prädikat bilden: „Sie hat ihren Chef nicht zu fragen gewagt.“
Partizipgruppen am Satzanfang bleiben freigestellt: „Vom Blitz getroffen(,) fiel er zu Boden.“ Das Regelwerk lässt beide Varianten zu.
Anrede, Datum, Ort und Zahlen
Nach der Anrede in Brief und E-Mail steht ein Komma, danach geht es klein weiter: „Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit …“ Die Grußformel am Ende bleibt ohne Satzzeichen.
Bei mehrteiligen Zeit- und Ortsangaben im Satzinneren stehen zwei Kommas. Seit 2024 ist das schließende Komma Pflicht: „Am Freitag, den 25. September, feiern sie ihre Silberhochzeit.“
Bei nachgestellten Erläuterungen wurde umgekehrt gelockert: „Auf der Ausstellung waren viele skandinavische Firmen, insbesondere finnische(,) vertreten.“ Liest du die Erläuterung als verkürztes Satzglied, kann das zweite Komma entfallen.
In Zahlen trennt das Komma im Deutschen die Dezimalstellen: 3,5 Prozent, 19,90 Euro. Der Punkt gliedert die Tausender. Im Englischen ist es genau umgekehrt.
Ein Sonderfall betrifft Vergleiche. Vor als und wie steht ein Komma nur dann, wenn ein Nebensatz mit eigenem Verb folgt: „Das ging schneller, als wir erwartet hatten.“ Ohne Verb bleibt der Vergleich kommalos: „Das ging schneller als erwartet.“
Ebenfalls häufig gefragt ist die Aufzählung mit Datum und Ort in Briefköpfen. Dort steht kein Komma zwischen Ort und Datum, wenn beide für sich in einer Zeile stehen. Im laufenden Satz dagegen wird die Angabe als Zusatz behandelt und beidseitig abgegrenzt.
Fünf Fehler, die am häufigsten vorkommen
Das fehlende zweite Komma. Wer einen Einschub öffnet, muss ihn schließen.
Komma vor jedem „und“. In Aufzählungen steht dort keines. Zwischen zwei vollständigen Hauptsätzen darf eines stehen, es macht den Aufbau lesbarer.
Komma nach der Anrede vergessen. „Hallo Frau Meier“ ohne Komma ist ein Zusatz ohne Abgrenzung.
Komma zwischen Subjekt und Prädikat. „Der Kollege aus der Buchhaltung, hat angerufen“ ist falsch, dort steht keine Grenze.
Komma nach Gefühl bei Infinitivgruppen. Seit 2024 ist die Frage entschieden: Erweiterte Infinitivgruppen bekommen eines.
Häufige Fragen
Wann steht ein Komma vor „und“?
In Aufzählungen nie. Zwischen zwei Hauptsätzen darf eines stehen, verpflichtend ist es nicht. Endet vor dem und ein Nebensatz, steht das Komma dort zwingend.
Steht vor „um zu“ ein Komma?
Ja. „Sie lernt, um die Prüfung zu bestehen.“
Was hat sich 2024 geändert?
Erweiterte Infinitivgruppen bekommen immer ein Komma, und das schließende Komma bei mehrteiligen Zeit- und Ortsangaben ist Pflicht.
Gilt „Komma, wo man Luft holt“?
Nein. Die Regel folgt dem Satzbau, nicht dem Atem.
Wie ist es bei „bitte“?
Als Zusatz mit Komma: „Komm, bitte, morgen.“ Ohne Abgrenzung geschrieben, gehört es in den Satz: „Komm bitte morgen.“
Wo steht das Komma bei Zahlen?
Vor den Dezimalstellen: 4,75. Tausender werden mit Punkt oder Leerzeichen gegliedert.
Quellen
- Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung 2024 (PDF)
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Regeln und Wörterverzeichnis
- Duden: Kommasetzung
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Kommaregeln einfach erklärt: vier Fälle mit Beispielen
- Kommaregeln: Die wichtigsten Fälle im Überblick
- Was sind Mitlaute? Die Konsonanten des Deutschen im Überblick
Geschrieben von Clara, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.






