Der oder das Radiergummi? Artikel, Plural, Herkunft

Kurz gesagt: Es heißt der Radiergummi. Der Radiergummi ist die häufigere Form, das Radiergummi ist ebenfalls zulässig.

Der Radiergummi liegt im Mäppchen.

Warum der Radiergummi?

Zusammensetzung aus radieren und Gummi. Das Geschlecht richtet sich nach dem Grundwort, und das schwankt selbst.

Die Beugung

  • Nominativ: der Radiergummi
  • Genitiv: des Radiergummis
  • Dativ: dem Radiergummi
  • Akkusativ: den Radiergummi
  • Plural: die Radiergummis

Die Nebenform

Neben der Radiergummi ist auch das Radiergummi gebräuchlich. Welche Form gilt, hängt oft von der Region ab. In einem Text sollte man sich für eine entscheiden und dabei bleiben.

Der häufige Fehler

Wer unsicher ist, weicht gern auf eine Umschreibung aus. Das fällt im Text auf. Besser ist es, sich das Wort einmal mit Artikel einzuprägen — Vokabeln lernt man im Deutschen als Paar aus Artikel und Wort, nie als Wort allein.

Woher radieren kommt

Radieren geht auf das lateinische radere zurück, das kratzen oder schaben bedeutet. Ursprünglich wurde Geschriebenes tatsächlich von Pergament abgeschabt, mit einem Messer oder Bimsstein. Erst später übernahm der Gummi diese Aufgabe.

Aus derselben Wurzel stammen Rasur und rasieren, ebenso die Radierung als Druckverfahren. Bei der Radierung wird die Zeichnung in eine Metallplatte geritzt. Auch dort geht es also um Abtragen von Material.

Der Ausdruck Rasur wird bis heute in der Urkundenlehre für getilgte Textstellen verwendet. Sie sind ein häufiges Thema bei der Prüfung alter Dokumente. Die Sprache hat den alten Vorgang bewahrt.

Warum es das Gummi und der Gummi gibt

Beim Grundwort Gummi hängt das Geschlecht von der Bedeutung ab. Als Stoffbezeichnung ist es sächlich: das Gummi, ähnlich wie das Gold oder das Wasser. Materialbezeichnungen sind im Deutschen häufig sächlich.

Meint man dagegen einen Gegenstand aus diesem Material, wird es männlich: der Gummi für ein Gummiband oder eben der Radiergummi. Diese Doppelung ist im Deutschen selten, aber nicht einzigartig. Ähnliches gilt beim Kaugummi, der ebenfalls männlich gebraucht wird.

Wörterbücher führen für Radiergummi zusätzlich die sächliche Nebenform. Sie gilt als korrekt, ist aber deutlich seltener. Wer sicher gehen will, nimmt die männliche Form.

Beugung und Plural

Im Genitiv heißt es des Radiergummis, im Dativ dem Radiergummi und im Akkusativ den Radiergummi. Eine Form des Radiergummies gibt es nicht. Das Genitiv-s wird ohne e angehängt.

Der Plural lautet die Radiergummis. Eine Form Radiergummi als Plural ist falsch, auch wenn sie gesprochen vorkommt. Im Dativ Plural heißt es den Radiergummis.

Bei der sächlichen Nebenform gelten dieselben Endungen, nur der Artikel ändert sich. Gemischte Formen wie das Radiergummi im Nominativ und den Radiergummi im Akkusativ sind widersprüchlich. Innerhalb eines Textes sollte man sich für eine Variante entscheiden.

Wie ein Radiergummi funktioniert

Bleistiftspuren bestehen aus Graphitteilchen, die zwischen den Fasern des Papiers hängen. Das Material des Radiergummis ist klebriger als das Papier und nimmt die Teilchen beim Reiben auf. Abgetragen wird dabei ein Teil des Gummis selbst, deshalb entstehen die bekannten Krümel.

Klassische Radiergummis bestehen aus Kautschuk mit Füllstoffen, moderne meist aus Kunststoff. Weiche Knetgummis nehmen den Abrieb auf, ohne zu krümeln. Sie werden vor allem beim Zeichnen verwendet.

Tinte lässt sich damit nicht entfernen, weil sie in die Fasern einzieht. Dafür gibt es Tintenlöscher mit einer chemischen Reaktion. Der harte Radiergummi für Tinte schabt dagegen die Papieroberfläche ab.

Regionale Namen

Neben Radiergummi sind im deutschen Sprachraum weitere Bezeichnungen verbreitet. In Teilen Norddeutschlands ist Ratzefummel geläufig, im Schülerjargon auch schlicht Gummi. In der Schweiz und in Österreich wird ebenfalls meist Radiergummi gesagt.

Der Atlas zur deutschen Alltagssprache hat solche Unterschiede systematisch erhoben. Er zeigt, wie stark Alltagswörter regional schwanken. Der Artikel bleibt davon unberührt.

Warum Wörter auf -i schwanken

Fremdwörter, die auf einen Vokal enden, fügen sich schlecht in das deutsche Genussystem ein. Weder die Endung noch ein Übersetzungswort gibt eine klare Richtung vor. Genau deshalb schwanken Wörter wie Gummi, Salami oder Sushi.

Bei Salami hat sich das weibliche Geschlecht durchgesetzt, weil das italienische Vorbild weiblich ist. Bei Sushi entschied die Nähe zu Gericht und Essen für sächlich. Bei Gummi blieb die Doppelform erhalten, weil Stoff und Gegenstand auseinanderfallen.

Solche Schwankungen sind kein Zeichen von Sprachverfall, sondern ein normaler Anpassungsvorgang. Er dauert oft mehrere Jahrzehnte. Wörterbücher dokumentieren dabei den jeweiligen Stand.

Verwandte Gegenstände und ihre Artikel

Im Federmäppchen liegen mehrheitlich männliche Wörter: der Bleistift, der Spitzer, der Radiergummi, der Filzstift. Weiblich sind die Schere und die Feder, sächlich das Lineal und das Geodreieck. Ein Muster steckt nicht dahinter.

Hilfreich ist hier nur das Lernen in festen Verbindungen mit Artikel. Wer das Wort nie ohne seinen Artikel abspeichert, verwechselt es später seltener. Diese Methode empfehlen Sprachlehrwerke durchgängig.

Für Lernende des Deutschen als Fremdsprache ist das Geschlecht ohnehin der schwierigste Teil des Wortschatzes. Regeln decken nur einen Teil der Fälle ab. Der Rest ist Gewöhnung.

Die Geschichte des Radiergummis

Vor der Verwendung von Kautschuk wurde mit Brotkrume radiert, was in alten Zeichenanleitungen ausdrücklich empfohlen wird. Der englische Naturforscher Joseph Priestley beschrieb 1770, dass Kautschuk Bleistiftstriche entfernt. Daraus entstand im Englischen die Bezeichnung rubber.

Die Vulkanisierung des Kautschuks im 19. Jahrhundert machte das Material haltbar und alltagstauglich. Erst danach wurde der Radiergummi ein Massenartikel. Vorher war er teuer und selten.

Der häufigste Fehler im Alltag

Verbreitet ist die Pluralform die Radiergummi ohne s, vor allem in gesprochener Sprache. Richtig ist die Radiergummis. Dieselbe Falle gibt es bei Kaugummis und Gummis.

Ebenfalls häufig steht der Genitiv falsch, etwa des Radiergummies mit e. Fremdwörter auf Vokal hängen das s direkt an. Ein Bindevokal wird nicht eingeschoben.

Häufige Fragen

Heißt es der Radiergummi?

Der Radiergummi ist die häufigere Form, das Radiergummi ist ebenfalls zulässig.

Wie lautet der Plural?

die Radiergummis

Wie lautet der Genitiv?

des Radiergummis

Woran erkennt man das Geschlecht?

An der Wortbildung und der Herkunft — verlässlich ist aber nur der Blick ins Wörterbuch.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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