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Kurzantwort: Die verbindliche Grundlage der deutschen Rechtschreibung ist das Amtliche Regelwerk. Es wird vom Rat für deutsche Rechtschreibung gepflegt, gliedert sich in sechs Bereiche von A bis F und umfasst 90 Paragrafen. Seit dem 1. Juli 2024 gilt eine neu bearbeitete Fassung. Verbindlich ist sie für Schulen und Behörden, für alle anderen ist sie Orientierung.
Viele suchen die Rechtschreibregeln beim Duden. Die maßgebliche Quelle ist ein anderes Werk, und es kostet nichts.
Das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung steht als PDF frei im Netz, veröffentlicht unter einer Creative-Commons-Lizenz. 343 Seiten, davon rund 130 Seiten Regeln. Der Rest ist ein Wörterverzeichnis.
Hier steht, wer die Regeln beschließt, wie das Werk aufgebaut ist, was sich 2024 geändert hat und wo du einen konkreten Zweifelsfall nachschlägst.
Wer die Regeln festlegt
Zuständig ist der Rat für deutsche Rechtschreibung. Er konstituierte sich am 17. Dezember 2004, seine Geschäftsstelle sitzt am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim.
Der Rat hat 41 Mitglieder, 39 davon stimmberechtigt: 18 aus Deutschland, je 9 aus Österreich und der Schweiz, je 1 aus Liechtenstein, Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Luxemburg entsendet einen Beobachter ohne Stimmrecht.
Sein Auftrag steht im Statut: die Einheitlichkeit der Rechtschreibung bewahren und sie nur „im unerlässlichen Umfang“ weiterentwickeln. Beschließen darf der Rat nichts allein. Er empfiehlt, gültig wird eine Änderung erst, wenn die staatlichen Stellen aller sechs Länder und Regionen zustimmen.
Wie das Regelwerk aufgebaut ist
Es besteht aus zwei Teilen. Teil I ist der Regelteil, Teil II das Wörterverzeichnis.
Der Regelteil hat sechs Bereiche:
- A Laut-Buchstaben-Zuordnungen
- B Getrennt- und Zusammenschreibung
- C Schreibung mit Bindestrich
- D Groß- und Kleinschreibung
- E Zeichensetzung
- F Worttrennung am Zeilenende
Durchnummeriert sind sie als Paragrafen, von § 1 bis § 90. Wenn irgendwo „nach § 73“ steht, ist diese Zählung gemeint.
Das Wörterverzeichnis umfasst rund 7.000 Stichwörter. Es listet nicht den gesamten Wortschatz, sondern typische Zweifelsfälle, und verweist von dort zurück in den Regelteil. Ausgewählt wurden die Einträge über das Orthografische Kernkorpus des Instituts, ein Textbestand mit rund 14 Milliarden Wortbelegen aus dem gesamten deutschen Sprachraum.
Woher die heutigen Regeln kommen
Am 1. Juli 1996 unterzeichneten Deutschland, Österreich, die Schweiz und weitere Beteiligte die Wiener Absichtserklärung. Die neue Rechtschreibung galt ab dem 1. August 1998, mit einer Übergangsphase bis zum 31. Juli 2005.
Der Streit darüber führte 2004 zur Gründung des Rats. 2006 folgte eine überarbeitete Fassung, 2010 und 2018 kamen Aktualisierungen dazu. Die Fassung von 2024 ist die erste grundlegende Neubearbeitung seit 2006.
Aus der Reform von 1996 stammt die Regel, die bis heute am meisten Aufmerksamkeit bekommt: die Heysesche s-Schreibung. Nach kurzem Vokal steht ss, nach langem Vokal und nach Doppellauten ß. Daher schreibst du Fluss und dass, aber Maß und draußen.
Was sich zum 1. Juli 2024 geändert hat
Der Rat beschloss die Neufassung am 15. Dezember 2023 in Mainz. Die staatlichen Stellen stimmten 2024 zu, seit dem 1. Juli 2024 ist sie gültig. Für die Umsetzung wurde eine Übergangsfrist von bis zu drei Jahren vereinbart.
Am stärksten betroffen ist Kapitel E. Die Zeichensetzung wurde komplett neu erarbeitet. Vier Punkte daraus wirken sich direkt aufs Schreiben aus:
- Erweiterte Infinitive mit zu zählen jetzt zu den Nebensätzen. Das Komma ist damit Pflicht: „Die Wahl zu gewinnen, hofften alle.“
- Bei Datumsangaben im Satzinneren muss auch das schließende Komma stehen: „Am Freitag, den 25. September, feiern sie ihre Silberhochzeit.“
- Folgt nach einem Doppelpunkt ein ganzer Satz, wird groß weitergeschrieben: „Haus und Hof, Gut und Geld: Alles ist verloren.“
- Der Apostroph vor dem Genitiv-s ist bei Eigennamen zulässig, wenn die ganze Konstruktion ein Name ist. „Eva’s Blumenladen“ geht, „Evas Mutter“ bleibt ohne.
Auch bei Fremdwörtern wurde nachgezogen. Englische Verben bekommen die deutsche Endung: sie jobbt, sie hat gechillt. Die Endung -ed bleibt nur in zwei Fällen als Variante erlaubt, etwa gelikt oder geliked. Sobald gebeugt wird, entfällt sie: eine gefakte Nachricht.
Aus dem Wörterverzeichnis gestrichen wurden eingedeutschte Varianten, die kaum noch jemand schreibt, darunter Jogurt, Spagetti, Tunfisch, Kusine und Panter. Neu aufgenommen wurden Couvert, Façon und Portrait.
Für wen die Regeln verbindlich sind
Das Amtliche Regelwerk bindet Schule und Verwaltung. Wer eine Klassenarbeit schreibt oder einen Bescheid formuliert, ist daran gebunden.
Private Texte, Romane und Firmenkommunikation fallen nicht darunter. Verlage, Zeitungen und Lektorate richten sich trotzdem danach, weil sonst jeder Text seine eigene Orthografie hätte.
Der Duden ist kein Gesetzbuch. Er bildet das amtliche Regelwerk ab und gibt zusätzlich Empfehlungen, wo mehrere Schreibweisen zulässig sind. Diese Empfehlungen sind Hausmeinung, keine Vorschrift.
Zu den Sonderzeichen im Wortinneren hat sich der Rat 2024 in einem eigenen Abschnitt geäußert. Doppelpunkt, Asterisk und Unterstrich bei Personenbezeichnungen zählt er nicht zum Kernbestand der deutschen Orthografie. Verboten hat er sie nicht, er beobachtet die Entwicklung weiter.
Wo du einen Zweifelsfall nachschlägst
Der schnellste Weg führt über den Bereich, nicht über das Wort. Überleg dir zuerst, worum es geht, und spring in das passende Kapitel.
Komma, Punkt, Apostroph
Kapitel E. Das Komma beginnt bei § 70, besondere Fälle stehen gesammelt am Ende des Kommaabschnitts.
Groß oder klein
Kapitel D. Dort stehen auch feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv, also Fälle wie die innere oder Innere Medizin.
Zusammen oder getrennt
Kapitel B, sortiert nach Wortart. Verben zuerst, dann Adjektive, dann Substantive.
Ein einzelnes Wort
Teil II, das Wörterverzeichnis. Steht das Wort dort nicht, hilft ein Wörterbuch weiter, das sich am amtlichen Regelwerk orientiert.
Häufige Fragen
Gibt es eine offizielle Liste aller Rechtschreibregeln?
Ja. Der Regelteil des Amtlichen Regelwerks mit 90 Paragrafen. Er steht kostenlos als PDF online.
Ist der Duden verbindlich?
Nein. Verbindlich ist das Amtliche Regelwerk, und zwar für Schulen und Behörden.
Muss ich die Änderungen von 2024 sofort anwenden?
Für Schule und Verwaltung wurde eine Übergangsfrist von bis zu drei Jahren vereinbart. Alte Schreibungen gelten in dieser Zeit nicht als Fehler.
Wann schreibt man ss und wann ß?
Nach kurzem Vokal ss, nach langem Vokal und nach Doppellauten ß. In der Schweiz wird durchgehend ss geschrieben, das ß kommt dort nicht vor.
Sind Gendersternchen erlaubt?
Sie stehen nicht im Regelteil. Der Rat beschreibt sie 2024 in einem eigenen Abschnitt und zählt sie nicht zum Kernbestand der Orthografie.
Was kostet das Regelwerk?
Nichts. Die PDF-Fassung ist unter einer Creative-Commons-Lizenz frei verfügbar, gedruckt gibt es sie zusätzlich.
Quellen
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung 2024 (PDF)
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Zusammenfassung der wesentlichen Änderungen 2024 (PDF)
- Wikipedia: Rat für deutsche Rechtschreibung
- Wikipedia: Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996
Geschrieben von Clara, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.





