Blocks, alphabet (AM 1990.255-2)

Wiederkommen: zusammen oder getrennt? So ist es richtig

Kurzantwort: „Wiederkommen“ wird zusammengeschrieben. Es ist ein trennbares Verb und heißt „zurückkommen“ oder „noch einmal kommen“. Zusammen steht es im Infinitiv, im Partizip und im Nebensatz mit Endstellung: wiederkommen, wiedergekommen, weil sie wiederkommt. Im Hauptsatz rutscht der Zusatz ans Ende: ich komme wieder. Getrennt schreibst du nur, wenn „wieder“ als eigenständiges Adverb im Sinne von „nochmals“ betont wird.

Der Zweifel entsteht, weil beide Schreibungen im Alltag auftauchen. Mal steht „wiederkommen“ in einem Wort, mal steht „komme wieder“ in zweien.

Beides kann richtig sein. Entscheidend ist die Stellung im Satz, in einem Sonderfall auch die Bedeutung.

Hier bekommst du die Regel aus dem amtlichen Regelwerk, alle Formen des Verbs, die Abgrenzung zu „wider“ und eine Liste verwandter Fälle.

Die Regel: wieder- ist ein Verbzusatz

Das Amtliche Regelwerk führt „wieder-“ unter den Verbpartikeln auf, die mit Verben trennbare Zusammensetzungen bilden (§ 34). Solche Zusammensetzungen werden nur in den Infinitiven, den Partizipien sowie im Nebensatz bei Endstellung des Verbs zusammengeschrieben.

Damit ist die Sache geregelt. „Wiederkommen“ ist ein Wort, so wie „zurückkommen“ und „mitkommen“ ein Wort sind.

Das Regelwerk benutzt die Schreibung selbst, im Kapitel zur direkten Rede: „Ich werde“, versicherte sie, „bald wiederkommen.“

Warum „ich komme wieder“ trotzdem stimmt

Trennbare Verben verlieren ihren Zusatz, sobald das Verb im Hauptsatz an die zweite Stelle rückt. Der Zusatz wandert dann ans Satzende und steht dort allein.

Deshalb heißt es „Ich komme morgen wieder“. Im Nebensatz steht das Verb hinten, also wieder zusammen: „Sie schrieb, dass sie morgen wiederkommt.“

Beim Partizip II bleibt der Zusatz am Verb und nimmt das ge- in die Mitte: „Sie ist heute wiedergekommen.“ Mit zu heißt es „wiederzukommen“.

Fünf Sätze zum Vergleich

  • Ich komme gleich wieder. (Hauptsatz, Verb an zweiter Stelle)
  • Kommst du morgen wieder? (Frage, Verb an erster Stelle)
  • Er hofft, bald wiederkommen zu dürfen. (Infinitiv)
  • Sie ist gestern Abend wiedergekommen. (Partizip II)
  • Ich weiß nicht, ob er wiederkommt. (Nebensatz mit Endstellung)

Dasselbe Muster kennst du von „aufstehen“ und „anrufen“. Auch dort heißt es „ich stehe auf“, aber „weil ich aufstehe“.

Alle Formen auf einen Blick

Der Duden führt „wiederkommen“ als starkes Verb mit der Worttrennung wie|der|kom|men.

  • Präsens: sie kommt wieder
  • Präteritum: sie kam wieder
  • Perfekt: sie ist wiedergekommen
  • Nebensatz: …, weil sie wiederkommt
  • Infinitiv mit zu: um wiederzukommen

Die Bedeutungen sind „zurückkommen“ wie in „Wann kommst du von der Arbeit wieder?“, „noch einmal kommen“ wie in „Könntest du ein anderes Mal wiederkommen?“ und „sich noch einmal ereignen“ wie in „So eine Gelegenheit kommt nicht wieder“.

Wann getrennt geschrieben wird

Getrennt steht „wieder“, wenn es ein selbstständiges Adverb im Sinne von „nochmals“ ist. Der Duden nennt genau diesen Fall: wieder kommen im Sinne von nochmals kommen.

Für die Unterscheidung gibt das Regelwerk zwei Proben an die Hand. Erstens die Betonung: Bei der Zusammensetzung liegt der Hauptton auf dem Zusatz. Zweitens die Einschubprobe: Zwischen ein freies Adverb und den Infinitiv passen weitere Satzglieder, zwischen Verbpartikel und Verb nicht.

Dieselbe Logik steckt hinter den Paaren im amtlichen Wörterverzeichnis: wieder sehen nach einer Operation gegenüber wiedersehen im Sinne von erneut zusammentreffen, wieder herstellen im Sinne von erneut herstellen gegenüber wiederherstellen im Sinne von in den alten Zustand bringen.

Für den Alltag heißt das: Geht es ums Zurückkommen, schreibst du zusammen. Die Getrenntschreibung brauchst du erst, wenn du „wieder“ betonen willst, weil etwas schon einmal geschehen ist.

Ein Beispielpaar zeigt den Unterschied. „Der Handwerker will morgen wiederkommen“ heißt schlicht: Er kommt zurück. „Der Handwerker muss morgen wieder kommen“ betont, dass er heute umsonst da war und noch einmal anrücken muss.

Wenn dir die Entscheidung schwerfällt, ist die Zusammenschreibung der sichere Weg. Sie deckt beide Bedeutungen ab, die der Duden für das Verb nennt.

wieder oder wider — der zweite Stolperstein

Beide Wörter klingen gleich und bedeuten Verschiedenes.

wieder heißt erneut oder zurück: wiederkommen, wiedersehen, Wiederaufbau, Wiederholung.

wider heißt gegen: widersprechen, Widerstand, widerlegen, Widerspruch, widerwillig.

Merkhilfe: Steckt „gegen“ in der Bedeutung, steht das i allein. Geht es um eine Wiederholung oder eine Rückkehr, kommt das ie.

Verwandte Fälle, die anders funktionieren

„Wiederholen“ gehört nicht in diese Reihe. Es ist eine untrennbare Zusammensetzung mit Betonung auf dem zweiten Teil (§ 33). Deshalb heißt es „er wiederholt den Satz“ und nicht „er holt den Satz wieder“.

Zusammengeschrieben werden außerdem wiederkehren, wiedersehen, wiederkäuen, wiedergrüßen und wiederherstellen.

Bei einigen Verben lässt das Wörterverzeichnis beide Schreibungen zu, etwa wieder aufnehmen und wiederaufnehmen, wieder einstellen und wiedereinstellen oder wieder eröffnen und wiedereröffnen. In diesen Fällen ist keine Variante besser als die andere, beide sind gleichberechtigt.

Beim Substantiv gibt es diesen Zweifel nicht. Wiederaufbau, Wiederholung, Wiedersehen und Wiedereinstieg stehen immer in einem Wort, weil zusammengesetzte Substantive im Deutschen zusammengeschrieben werden.

Häufige Fragen

Heißt es „ich freue mich, dich wiederzusehen“?

Ja. Der Infinitiv mit zu steht zusammen, das zu rückt zwischen Zusatz und Verb.

Schreibt man „Auf Wiedersehen“ groß?

Das Substantiv Wiedersehen wird großgeschrieben. Das Wörterverzeichnis führt die Wendung „[jmdm.] auf Wiedersehen sagen“, auch die Großschreibung von „Auf“ ist möglich.

Wie schreibt man „wiedergekommen“?

In einem Wort. Beim Partizip II trennbarer Verben steht das ge- im Wortinneren.

Ist „wieder kommen“ immer falsch?

Nein. Wenn „wieder“ als eigenständiges Adverb im Sinne von nochmals gemeint und betont ist, steht es getrennt. Der Fall ist selten.

Gilt die Regel auch für „zurückkommen“?

Ja. Auch „zurück-“ ist eine Verbpartikel: zurückkommen, sie kommt zurück, sie ist zurückgekommen.

Woran erkenne ich ein trennbares Verb?

Die Reihenfolge der Bestandteile wechselt je nach Satzstellung. Bleibt sie immer gleich, ist die Zusammensetzung untrennbar.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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