Der oder das Gummi? Artikel, Plural und die Herkunft

Kurz gesagt: Es heißt das Gummi. Als Werkstoff heißt es das Gummi. Für einzelne Gegenstände — Gummiband, Radiergummi — sagt man der Gummi.

Das Gummi wird bei Kälte hart.

Warum das Gummi?

Über das Lateinische aus dem Ägyptischen. Das Geschlecht hängt an der Bedeutung.

Die Beugung

  • Nominativ: das Gummi
  • Genitiv: des Gummis
  • Dativ: dem Gummi
  • Akkusativ: das Gummi
  • Plural: die Gummis

Die Nebenform

Neben das Gummi ist auch der Gummi gebräuchlich. Welche Form gilt, hängt oft von der Region ab. In einem Text sollte man sich für eine entscheiden und dabei bleiben.

Der häufige Fehler

Wer unsicher ist, weicht gern auf eine Umschreibung aus. Das fällt im Text auf. Besser ist es, sich das Wort einmal mit Artikel einzuprägen — Vokabeln lernt man im Deutschen als Paar aus Artikel und Wort, nie als Wort allein.

Woher das Wort kommt

Gummi geht über das lateinische gummi und das griechische kommi auf ein altägyptisches Wort für Harz zurück. Gemeint war ursprünglich der eingetrocknete Saft bestimmter Bäume, etwa Gummiarabikum von der Akazie. Mit dem heutigen Kautschuk hatte das zunächst nichts zu tun.

Erst als im 18. Jahrhundert der elastische Saft südamerikanischer Bäume nach Europa kam, wurde der Begriff auf dieses Material übertragen. Im Englischen heißt es bis heute rubber, abgeleitet vom Radieren. Beide Sprachen benannten dasselbe Material nach unterschiedlichen Eigenschaften.

Das Wort ist damit eines der ältesten Lehnwörter im Deutschen und hat mehrere Bedeutungswechsel hinter sich. Solche Verschiebungen sind bei Materialbezeichnungen häufig. Sie erklären auch das schwankende Geschlecht.

Kautschuk und die Vulkanisation

Naturkautschuk wird als Milchsaft aus der Rinde des Kautschukbaums gewonnen. Roh ist er klebrig, wird bei Wärme weich und bei Kälte spröde und war deshalb lange kaum brauchbar. Das änderte sich 1839, als Charles Goodyear die Vulkanisation entdeckte.

Dabei wird Kautschuk mit Schwefel erhitzt, wodurch sich die Molekülketten dauerhaft vernetzen. Das Ergebnis bleibt über einen weiten Temperaturbereich elastisch. Ohne dieses Verfahren gäbe es weder Autoreifen noch Dichtungen.

Heute stammt ein großer Teil des verarbeiteten Materials aus synthetischer Herstellung auf Erdölbasis. Naturkautschuk bleibt dennoch unverzichtbar, weil er bei hoher Belastung stabiler ist. Beide Arten werden häufig gemischt.

Beugung und Plural

Im Genitiv heißt es des Gummis, im Dativ dem Gummi, im Akkusativ den oder das Gummi je nach Bedeutung. Ein Genitiv mit zusätzlichem e ist unüblich. Fremdwörter auf Vokal hängen das s direkt an.

Der Plural lautet die Gummis, wenn Gegenstände gemeint sind. Für den Stoff gibt es in der Fachsprache auch die Form die Gummen, sie ist aber selten und veraltet. Im Alltag begegnet nur die Form mit s.

In Zusammensetzungen entscheidet der letzte Bestandteil: das Gummiband, der Gummistiefel, die Gummidichtung. Der erste Teil ändert daran nichts. Diese Regel gilt ohne Ausnahme.

Was Gummi im Alltag ausmacht

Der größte Teil der weltweiten Produktion geht in Reifen. Weitere große Anwendungsbereiche sind Dichtungen, Schläuche, Schuhsohlen und medizinische Handschuhe. Für jede dieser Anwendungen werden andere Mischungen verwendet.

Ein Teil der Bevölkerung reagiert allergisch auf Proteine im Naturlatex. Deshalb sind Handschuhe im medizinischen Bereich häufig aus synthetischem Material. Die Kennzeichnung ist vorgeschrieben.

Altreifen werden in Deutschland überwiegend verwertet, teils stofflich zu Granulat, teils energetisch in Zementwerken. Granulat findet sich unter anderem auf Sportplätzen. Über den Abrieb als Quelle von Mikroplastik wird seit Jahren diskutiert.

Der häufigste Fehler

Am häufigsten wird der Plural ohne s gebildet, etwa zwei Gummi. Richtig ist zwei Gummis. Dieselbe Falle gibt es bei Kaugummis und Radiergummis.

Ein zweiter Fehler ist die Vermischung der beiden Bedeutungen, etwa in der Formulierung der Gummi als Material. Für den Stoff steht das Gummi. Für einen Gegenstand daraus steht der Gummi.

Wie Gummi hergestellt und geprüft wird

Nach der Mischung wird das Material in Formen gepresst und unter Druck und Hitze vulkanisiert. Je nach Zusatzstoffen entstehen weiche oder harte Qualitäten, beständig gegen Öl, Ozon oder Hitze. Für jede Anwendung gibt es eigene Normen.

Geprüft werden unter anderem Härte, Reißfestigkeit und Alterungsverhalten. Die Härte wird in Shore-Graden angegeben, ein Verfahren mit genormtem Prüfkörper. Diese Angabe steht auf technischen Datenblättern.

Für Dichtungen im Trinkwasserbereich gelten zusätzliche Anforderungen an die verwendeten Stoffe. Zuständig sind dafür die technischen Regeln des Umweltbundesamtes. Ohne diese Zulassung darf ein Material dort nicht eingesetzt werden.

Warum Gummi altert

Sauerstoff, Ozon und ultraviolettes Licht greifen die Molekülketten an, das Material wird spröde und reißt. Deshalb bekommen alte Reifen und Dichtungen feine Risse, auch ohne Benutzung. Fachleute sprechen von Alterung durch Ozonrissbildung.

Vorbeugend werden Alterungsschutzmittel zugesetzt, die den Vorgang verlangsamen. Ganz verhindern lässt er sich nicht. Deshalb haben Reifen ein Herstellungsdatum auf der Flanke.

Woran man Qualität erkennt

Bei Haushaltsgummis und Dichtungen zeigt sich die Qualität vor allem in der Elastizität nach längerer Lagerung. Billige Ware wird schnell klebrig oder brüchig. Ein Blick auf das Herstellungsdatum lohnt bei Dichtungen ebenso wie bei Reifen.

Für sicherheitsrelevante Teile gibt es Prüfzeichen und Normangaben, etwa bei Brems- und Gasschläuchen. Sie sind eingeprägt und enthalten das Ablaufdatum. Danach ist ein Austausch vorgeschrieben.

Im Haushalt betrifft das vor allem Gasschläuche an Kochstellen und Dichtungen an Schnellkochtöpfen. Beide altern unbemerkt. Ein regelmäßiger Blick darauf ist sinnvoll.

Wo man den Artikel nachschlägt

Wörterbücher führen beide Formen mit Bedeutungsangabe. Der Duden nennt zuerst die sächliche Form für den Stoff und danach die männliche für den Gegenstand. Beispielsätze machen den Unterschied deutlich.

Im Zweifel hilft eine einfache Frage: Kann man das Gemeinte zählen? Dann ist es männlich. Geht es um Material ohne Stückzahl, ist es sächlich.

Häufige Fragen

Heißt es das Gummi?

Als Werkstoff heißt es das Gummi. Für einzelne Gegenstände — Gummiband, Radiergummi — sagt man der Gummi.

Wie lautet der Plural?

die Gummis

Wie lautet der Genitiv?

des Gummis

Woran erkennt man das Geschlecht?

An der Wortbildung und der Herkunft — verlässlich ist aber nur der Blick ins Wörterbuch.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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