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Kurz gesagt: Über 90 Prozent aller Kommas im Deutschen folgen sechs Regeln: Aufzählung, Nebensatz, Einschub, Anrede und Ausruf, erweiterter Infinitiv und entgegensetzende Konjunktionen. Die wichtigste Probe: Wo ein eigenes gebeugtes Verb steht, beginnt ein neuer Teilsatz – und der braucht eine Grenze.
Kommas trennen keine Atempausen. Sie trennen Satzteile.
Regel 1: Aufzählung
Zwischen gleichrangigen Wörtern und Satzteilen steht ein Komma. Vor und und oder steht keines.
Wir kaufen Brot, Butter und Käse.
Regel 2: Nebensatz
Nebensätze werden immer abgetrennt – auf beiden Seiten, wenn sie mitten im Satz stehen.
Ich weiß, dass du recht hast.
Der Mann, der gestern anrief, hat sich gemeldet.
Erkennbar sind Nebensätze an einleitenden Wörtern wie dass, weil, obwohl, wenn, der, die, das – und daran, dass das gebeugte Verb ans Ende rutscht.
Regel 3: Einschub und Nachtrag
Zusätze werden in Kommas eingeschlossen.
Mein Bruder, ein Arzt, kommt morgen.
Berlin, die Hauptstadt, wächst weiter.
Auch Datums- und Ortsangaben: Am Montag, dem 3. März, beginnt der Kurs.
Regel 4: Anrede, Ausruf, Bekräftigung
Peter, komm her!
Ja, das stimmt.
Ach, wie schade.
Regel 5: Erweiterter Infinitiv
Ein Infinitiv mit zu wird abgetrennt, wenn er durch um, ohne, statt, anstatt, außer eingeleitet wird oder auf ein Substantiv verweist.
Er ging zur Bank, um Geld abzuheben.
Nicht abgetrennt wird der einfache Infinitiv: Ich habe vergessen einzukaufen.
Regel 6: Entgegensetzung
Vor aber, sondern, doch, jedoch, allein steht immer ein Komma.
Er wollte kommen, aber es ging nicht.
Wo das Komma freiwillig ist
Zwischen zwei vollständigen Hauptsätzen mit und oder oder: Er kochte(,) und sie deckte den Tisch.
Bei kurzen Infinitivgruppen ohne einleitendes Wort.
Im Zweifel setzen: Ein Komma, das die Lesbarkeit erhöht, ist selten falsch.
Die Verbprobe
Man zählt die gebeugten Verben im Satz. Jedes gehört zu einem eigenen Teilsatz, und zwischen Teilsätzen steht eine Grenze – Komma oder Konjunktion.
Wer diese Probe anwendet, findet die meisten fehlenden Kommas ohne jede Regelkenntnis.
Komma bei Partizipgruppen
Partizipgruppen können mit Komma abgetrennt werden, müssen es aber nur, wenn sie durch ein hinweisendes Wort angekündigt werden oder als Nachtrag stehen. „Vom Regen überrascht, kehrten wir um“ ist mit Komma üblich. Ohne Komma bliebe der Satz schwer lesbar.
Ist die Gruppe kurz und eng mit dem Satz verbunden, kann das Komma entfallen. Der Schreibende entscheidet dann nach Verständlichkeit. Diese Freiheit ist seit der Rechtschreibreform größer geworden.
Als Faustregel gilt: Wenn beim Lesen eine Pause entsteht, hilft ein Komma. Wenn der Satz ohne Pause flüssig bleibt, ist es entbehrlich. Beides ist korrekt.
Komma zwischen Adjektiven
Zwischen gleichrangigen Adjektiven steht ein Komma: „ein langer, anstrengender Tag“. Gleichrangig sind sie, wenn sich die Reihenfolge tauschen lässt oder ein „und“ eingefügt werden kann. Diese Probe entscheidet den Fall.
Bildet das letzte Adjektiv mit dem Substantiv eine Einheit, entfällt das Komma: „ein neuer roter Wein“ im Sinne einer Weinsorte. Solche Fälle sind seltener, aber häufig strittig. Im Zweifel hilft die Umstellprobe.
Bei Farb- und Materialangaben verschmilzt das letzte Adjektiv oft mit dem Substantiv. Deshalb steht dort meist kein Komma. Der Unterschied ist inhaltlich, nicht formal.
Sowie, beziehungsweise und Co.
Vor „sowie“ in aufzählender Bedeutung steht kein Komma, weil es wie „und“ wirkt. Dasselbe gilt für „beziehungsweise“ und „oder“. Diese Wörter verbinden gleichrangige Teile.
Bei „sowohl als auch“ und „weder noch“ entfällt das Komma ebenfalls. Anders liegt es bei „nicht nur, sondern auch“, weil „sondern“ immer ein Komma verlangt. Diese Ausnahme ist fest.
Wird ein vollständiger Nebensatz mit „sowie“ angeschlossen, wird nach den allgemeinen Regeln abgetrennt. Entscheidend bleibt, ob ein eigenes gebeugtes Verb folgt. Diese Probe funktioniert überall.
Komma bei direkter Rede
Wird die wörtliche Rede vorangestellt, folgt ein Komma nach dem schließenden Anführungszeichen: „Ich komme später“, sagte er. Der Punkt der wörtlichen Rede entfällt dabei. Frage- und Ausrufezeichen bleiben dagegen stehen.
Steht der Begleitsatz voran, folgt ein Doppelpunkt: Er sagte: „Ich komme später.“ Der Schlusspunkt steht dann innerhalb der Anführungszeichen. Diese Regel wird häufig verwechselt.
Wird der Begleitsatz eingeschoben, wird er auf beiden Seiten mit Komma abgetrennt. Die wörtliche Rede wird dabei geteilt. Der zweite Teil beginnt klein, wenn der Satz weitergeht.
Was sich 1996 geändert hat
Die Rechtschreibreform hat mehrere Kommaregeln von Pflicht auf Wahlfreiheit umgestellt, insbesondere beim erweiterten Infinitiv und bei Partizipgruppen. Auch das Komma zwischen mit „und“ verbundenen Hauptsätzen ist seither freiwillig. Ältere Texte folgen deshalb anderen Regeln.
Unverändert blieben die Kommas bei Nebensätzen, Aufzählungen, Einschüben und Entgegensetzungen. Diese vier Fälle decken den größten Teil aller Kommas ab. Wer sie beherrscht, macht kaum noch Fehler.
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat die Regeln seither mehrfach nachgeschärft, ohne die Grundstruktur zu ändern. Die aktuelle Fassung steht kostenfrei im Netz. Sie ist für Schulen und Behörden verbindlich.
Kommafehler in Geschäftsbriefen
Nach der Anrede steht ein Komma, und der Text beginnt danach klein, sofern kein Substantiv folgt. Ein Ausrufezeichen nach der Anrede gilt heute als veraltet. Diese Form ist in der Norm für Geschäftsbriefe festgehalten.
Vor der Grußformel steht kein Komma, und nach ihr ebenfalls nicht. „Mit freundlichen Grüßen“ wird ohne Satzzeichen abgeschlossen. Ein Komma dort ist einer der häufigsten Fehler überhaupt.
Bei Datumsangaben mit Wochentag wird der Zusatz eingeschlossen, und nach der Jahreszahl folgt ein Komma, wenn der Satz weitergeht. Diese Fälle stehen ebenfalls in der Norm. Sie werden im Berufsalltag oft falsch gemacht.
Häufige Fragen
Steht vor „und“ ein Komma?
In Aufzählungen nein, zwischen Hauptsätzen freiwillig.
Steht vor „wie“ ein Komma?
Beim reinen Vergleich nein, bei einem Nebensatz ja.
Steht vor „sondern“ ein Komma?
Ja, immer.
Wie viele Kommaregeln gibt es?
Das amtliche Regelwerk nennt mehr, aber sechs decken den Alltag ab.
Steht vor „sowie“ ein Komma?
In aufzählender Bedeutung nicht.
Wann steht zwischen Adjektiven ein Komma?
Wenn sie gleichrangig sind und sich tauschen lassen.
Kommt nach der Grußformel ein Komma?
Nein, sie steht ohne Satzzeichen.
Quellen
Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.





