Der, die oder das Nutella? Was der Sprachgebrauch zeigt

Kurz gesagt: Es gibt keine verbindliche Antwort. Die Nutella, das Nutella und der Nutella sind alle in Gebrauch. Der Hersteller legt sich bewusst nicht fest. Am weitesten verbreitet ist in Deutschland das Nutella.

Ein Markenname bringt kein Geschlecht mit. Sprecher weisen ihm eines zu – und tun das unterschiedlich.

Warum drei Formen kursieren

Das Nutella. Nach dem Oberbegriff: das Nussnougatcreme-Produkt, der Brotaufstrich als „das Ding“. Sächlich ist im Deutschen die übliche Wahl für Markennamen ohne klares Vorbild.

Die Nutella. Nach der Creme – ein weibliches Wort. Zudem endet Nutella auf -a, was im Deutschen weiblich klingt.

Der Nutella. Nach dem Aufstrich, ebenfalls plausibel, aber am seltensten.

Was der Hersteller sagt

Ferrero äußert sich dazu nicht verbindlich und überlässt die Wahl den Verbrauchern. Auf der Verpackung steht der Name ohne Artikel.

Was die Wörterbücher sagen

Der Duden verzeichnet Nutella und nennt die schwankende Verwendung, ohne eine Form vorzuschreiben. In Sprachdatenbanken liegt in Deutschland das vorn, in Österreich ist die häufiger.

Woher der Name kommt

Aus dem englischen nut für Nuss und der italienischen Verkleinerungsendung -ella. Auf den Markt kam das Produkt 1964, entwickelt aus einer älteren Haselnusspaste.

Andere Marken mit unklarem Geschlecht

Der oder das Cola, der oder das Joghurt, die oder das Mail. Auch hier entscheidet der Sprachgebrauch, nicht eine Regel.

Wie Markennamen ihr Geschlecht bekommen

Markennamen sind Eigennamen und haben im Deutschen kein festgelegtes Genus. Sprecher weisen ihnen deshalb den Artikel eines gedanklich ergänzten Grundworts zu: Wer an die Creme denkt, sagt „die“, wer an den Aufstrich denkt, „der“, wer an das Produkt denkt, „das“. Alle drei Wege sind sprachlich nachvollziehbar.

Bei Marken, deren Produktart eindeutig ist, entsteht dieses Problem nicht. Niemand streitet über den Artikel bei einer Zeitung oder einem Auto. Schwierig wird es, wenn mehrere Bezeichnungen gleich naheliegen.

Hinzu kommt die Herkunftssprache: Endet ein Name auf -a, empfinden viele ihn als feminin, weil das im Deutschen und in romanischen Sprachen häufig so ist. Diese Analogie wirkt auch dann, wenn sie sachlich nicht begründet ist. Sie erklärt die Verbreitung der femininen Form.

Warum Hersteller sich heraushalten

Für Unternehmen ist es riskant, eine Form vorzuschreiben, weil sie damit einen Teil ihrer Kundschaft korrigieren würden. Werbetexte umgehen den Artikel deshalb häufig ganz. Das ist eine bewusste Entscheidung, keine Unsicherheit.

Rechtlich hat die Genuswahl keine Bedeutung für den Markenschutz. Geschützt ist der Name, nicht der Artikel davor. Auch deshalb besteht kein Anlass, eine Form festzulegen.

In der Sprachpflege gilt: Der Gebrauch entscheidet, nicht der Markeninhaber. Wörterbücher bilden ab, was Sprecher tun. Eine Ansage von Unternehmensseite hätte darauf ohnehin nur begrenzten Einfluss.

Was Korpusdaten zeigen

Große digitale Textsammlungen erlauben es, die Häufigkeit der Formen auszuzählen. In deutschen Texten liegt die feminine Form deutlich vorn, gefolgt von der sächlichen; die maskuline ist selten. Diese Verteilung ist über Jahre stabil.

Regional unterscheidet sich das Bild: In Österreich und der Schweiz ist die sächliche Form verbreiteter als in Deutschland. Solche Unterschiede sind bei Markennamen häufig. Sie folgen den regionalen Bezeichnungsgewohnheiten.

Wer selbst nachsehen will, findet frei zugängliche Korpora mit Suchfunktion, etwa das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache. Dort lassen sich Belege und Zeitverläufe abrufen. Das ist deutlich aussagekräftiger als jede Meinung.

Andere umstrittene Marken

Ähnlich unklar ist das Genus bei einigen Getränke- und Süßwarenmarken sowie bei technischen Produkten. Auch dort schwankt der Gebrauch zwischen zwei oder drei Formen. Meist setzt sich langfristig eine durch.

Bei technischen Geräten hilft oft die Gattungsbezeichnung: Wer an das Gerät denkt, wählt sächlich, wer an den Rechner denkt, maskulin. Diese Ableitung funktioniert bei den meisten Anglizismen. Sie erklärt viele Zweifelsfälle.

Für Texte gilt: Eine Form wählen und im gesamten Dokument beibehalten. Ein Wechsel innerhalb eines Textes fällt unangenehm auf. Welche Form gewählt wird, ist zweitrangig.

Was in Schule und Beruf gilt

Im Unterricht wird meist die im Wörterbuch führende Form erwartet, abweichende Formen gelten nicht automatisch als Fehler. Bei Eigennamen ohne festes Genus ist eine Bewertung ohnehin schwierig. Lehrkräfte entscheiden das im Einzelfall.

In beruflichen Texten empfiehlt sich die häufigste Form, weil sie den wenigsten Widerspruch erzeugt. Wer für Österreich oder die Schweiz schreibt, prüft die dort übliche Variante. Redaktionsleitfäden regeln das oft ausdrücklich.

Im Gespräch spielt es keine Rolle. Verstanden wird jede Form, und Korrekturen sind hier fehl am Platz. Der Streit darüber ist unterhaltsamer als er wichtig ist.

Wie sich solche Streitfälle auflösen

Sprachliche Zweifelsfälle bei Markennamen lösen sich meist nicht durch eine Entscheidung, sondern dadurch, dass eine Form über Jahrzehnte überwiegt und die andere zur regionalen Variante wird. Dieser Prozess ist in Korpusdaten sichtbar und läuft langsam. Ein Eingriff von außen beschleunigt ihn nicht.

Für den Alltag heißt das: Der Streit bleibt bestehen, solange beide Formen benutzt werden. Er ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, wie Sprache tatsächlich funktioniert. Regeln folgen dem Gebrauch, nicht umgekehrt.

Was Sprachwissenschaft dazu sagt

In der Sprachwissenschaft gilt das Genus von Eigennamen als nicht festgelegt, weil Eigennamen keine Gattungsbegriffe sind. Sprecher greifen daher auf ein gedanklich ergänztes Gattungswort zurück, was zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Dieses Phänomen ist gut beschrieben und betrifft viele Marken.

Untersuchungen zeigen zudem, dass die Lautform mitentscheidet: Namen auf -a werden häufiger feminin behandelt. Beide Faktoren wirken zusammen. Deshalb ist eine eindeutige Antwort sprachwissenschaftlich nicht zu erwarten.

Häufige Fragen

Was ist die häufigste Form?

In Deutschland das Nutella, in Österreich eher die Nutella.

Ist eine Form falsch?

Nein. Alle drei sind belegt und werden verstanden.

Wie schreibt man Nutella?

Groß, ohne Artikel auf der Verpackung. Im Fließtext gilt die normale Großschreibung von Eigennamen.

Welche Form ist in Deutschland am häufigsten?

Die feminine, gefolgt von der sächlichen.

Hat der Hersteller eine Form festgelegt?

Nein, er hält sich bewusst heraus.

Ist eine Form falsch?

Nein, bei Eigennamen entscheidet der Gebrauch.

Quellen

Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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