Die aktuelle deutsche Rechtschreibung: was heute gilt

Kurz gesagt: Verbindlich ist das Amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung. Es gilt für Schulen und Behörden in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

Wer entscheidet

Der Rat für deutsche Rechtschreibung wurde 2004 eingerichtet und löste die Zwischenstaatliche Kommission ab. In ihm sitzen Vertreter aller deutschsprachigen Länder und Regionen.

Der Rat beobachtet den Schreibgebrauch und schlägt Änderungen vor. In Kraft treten sie erst, wenn die staatlichen Stellen zustimmen.

Was sich seit 1996 geändert hat

1996 die Reform selbst: ss statt ß nach kurzem Vokal, neue Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung, zur Zeichensetzung und zur Silbentrennung.

2006 eine Überarbeitung, die viele umstrittene Punkte zurücknahm — vor allem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung wurden Varianten wieder zugelassen.

2017 die Aufnahme des großen ẞ als zulässige Variante bei Großschreibung.

2024 eine aktualisierte Fassung des Regelwerks mit einem überarbeiteten Wörterverzeichnis.

Was der Rat nicht geregelt hat

Zu Genderzeichen — Stern, Doppelpunkt, Unterstrich im Wortinneren — hat der Rat festgehalten, dass sie nicht Teil des amtlichen Regelwerks sind. Er beobachtet die Entwicklung weiter.

Wo man nachschlägt

Das Amtliche Regelwerk steht auf der Seite des Rats kostenlos zum Herunterladen. Für den Alltag reicht ein aktuelles Wörterbuch, das die amtlichen Regeln umsetzt.

Wer die Regeln festlegt

Zuständig ist der Rat für deutsche Rechtschreibung, ein Gremium mit Vertretern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol, Liechtenstein und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Er wurde 2004 eingerichtet und beobachtet die Schreibentwicklung. Änderungen schlägt er den staatlichen Stellen vor.

Verbindlich ist die amtliche Regelung für Schulen und Behörden. Für Privatpersonen, Verlage und Zeitungen besteht keine Pflicht, sie zu befolgen. In der Praxis richten sich fast alle danach.

Der Duden ist kein amtliches Werk, sondern ein privates Wörterbuch, das die amtliche Regelung abbildet und ergänzt. Wo die Regelung Varianten zulässt, spricht er Empfehlungen aus. Diese sind nicht verbindlich.

Was die Reform von 1996 änderte

Die wichtigste Änderung betraf die s-Laute: Nach kurzem Vokal steht ss, nach langem Vokal oder Doppellaut ß. Deshalb wurde aus daß dass und aus Fluß Fluss, während Straße und Fuß unverändert blieben. Diese Regel gilt seit 2006 verbindlich.

Weitere Änderungen betrafen Getrennt- und Zusammenschreibung, Zeichensetzung, Worttrennung und die Schreibung von Fremdwörtern. Ein Teil davon wurde 2006 wieder zurückgenommen, weil er sich nicht bewährt hatte. Die heutige Fassung ist das Ergebnis dieser Überarbeitung.

In der Schweiz und in Liechtenstein wird das ß seit Jahrzehnten nicht verwendet, dort steht durchgehend ss. Das ist keine Folge der Reform. Es ist eine eigenständige Konvention.

Was sich zuletzt geändert hat

2017 wurde der Großbuchstabe für das scharfe s in das amtliche Regelwerk aufgenommen. Damit kann in Großschreibung STRASSE oder STRAẞE geschrieben werden, beides ist zulässig. Für die Kleinschreibung ändert sich nichts.

2024 hat der Rat eine überarbeitete Fassung des Regelwerks vorgelegt, die vor allem Fremdwortschreibungen und Zeichensetzung betrifft. Bei mehreren Wörtern wurde eine Variante gestrichen, um die Zahl der Möglichkeiten zu verringern. Für Schulen gelten Übergangsfristen.

Wer sicher gehen möchte, prüft die jeweils aktuelle Fassung auf der Seite des Rats. Sie ist frei abrufbar und datiert. Ältere Ausdrucke können überholt sein.

Wo Varianten zulässig sind

An zahlreichen Stellen lässt die Regelung mehrere Schreibungen zu, etwa bei sodass und so dass oder bei Fremdwörtern wie Delfin und Delphin. Beide Formen sind korrekt. Innerhalb eines Textes sollte man sich für eine entscheiden.

Verlage und Redaktionen legen dafür Hausorthografien fest, die eine der Varianten vorschreiben. Das dient der Einheitlichkeit. Für private Texte ist das nicht nötig.

Der Duden markiert seine bevorzugte Variante gelb. Diese Kennzeichnung ist eine Empfehlung, keine Vorschrift. Wer die andere Form wählt, schreibt trotzdem richtig.

Wo das Regelwerk zu finden ist

Das amtliche Regelwerk und das amtliche Wörterverzeichnis stehen auf der Internetseite des Rats für deutsche Rechtschreibung kostenfrei zum Herunterladen bereit. Beide Dokumente sind gegliedert und mit Beispielen versehen. Der Umfang ist überschaubar.

Ergänzend bieten das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache und der Duden Suchfunktionen für einzelne Wörter. Für Zweifelsfälle sind sie schneller als das Regelwerk. Bei Widersprüchen gilt die amtliche Fassung.

Was für Schulen gilt

Die Kultusministerkonferenz setzt die amtliche Regelung für den Unterricht in Kraft. Bei Änderungen legen die Länder Übergangsfristen fest, in denen alte Schreibungen nicht als Fehler gewertet werden. Diese Fristen dauern meist ein bis zwei Schuljahre.

Lehrkräfte erhalten dazu Handreichungen der Landesinstitute. Sie fassen die Änderungen kurz zusammen. Für Eltern sind sie ebenfalls frei abrufbar.

Wie man auf dem Stand bleibt

Der Rat für deutsche Rechtschreibung veröffentlicht jede Änderung samt Begründung auf seiner Seite. Ein Blick alle paar Jahre genügt, weil Änderungen selten sind. Zwischendurch ändert sich nichts.

Wer beruflich schreibt, hält zusätzlich eine aktuelle Wörterbuchausgabe bereit. Digitale Ausgaben werden laufend aktualisiert. Gedruckte veralten nach einigen Jahren.

Wo man Formen und Regeln nachschlägt

Verbindlich ist für die Rechtschreibung das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung, das frei abrufbar ist. Für Beugung und Bedeutung sind der Duden und das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache maßgeblich. Alle drei sind kostenlos zugänglich.

Für regionale Unterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Variantenwörterbuch des Deutschen die genauere Quelle. Es beschreibt abweichende Formen ausdrücklich als korrekt. Bibliotheken führen es meist im Bestand.

Nützlich ist außerdem, Zweifelsfälle einmal in einer Schulgrammatik nachzulesen statt jedes Mal einzeln zu suchen. Die Regeln stehen dort auf wenigen Seiten. Das spart auf Dauer erheblich Zeit.

Häufige Fragen

Wer legt die Rechtschreibung fest?

Der Rat für deutsche Rechtschreibung.

Ist der Duden verbindlich?

Nein, verbindlich ist das Amtliche Regelwerk.

Gilt daß noch?

Nein, seit 1996 nicht mehr.

Sind Genderzeichen amtlich geregelt?

Nein, sie sind nicht Teil des Regelwerks.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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