Der, die oder das Nutella? Was der Duden dazu sagt

Kurz gesagt: Der Duden führt die Nutella und das Nutella als gleichberechtigte Formen. Der Nutella ist umgangssprachlich verbreitet, gilt aber nicht als Standard. Der Hersteller legt sich bewusst nicht fest — es gibt keine amtliche Antwort auf diese Frage.

Kaum ein Wort spaltet den Frühstückstisch so zuverlässig. Und tatsächlich hat niemand recht, weil es keine eine richtige Antwort gibt.

Warum das Geschlecht schwankt

Markennamen sind Kunstwörter. Sie folgen keiner Sprachregel, weil sie keiner Wortfamilie entstammen, an der sich das Geschlecht ablesen ließe.

Bei fremdsprachigen Produktnamen greift das Deutsche deshalb auf Hilfslösungen zurück. Meist orientiert man sich am Oberbegriff: Wer an die Creme oder die Schokoladencreme denkt, sagt die Nutella. Wer an das Brotaufstrich-Produkt oder schlicht das Glas denkt, sagt das Nutella.

Der Anlaut spielt ebenfalls mit: Wörter auf -a sind im Deutschen häufig weiblich, wenn sie aus romanischen Sprachen stammen — die Pizza, die Villa, die Pasta. Das erklärt die Beliebtheit von die Nutella.

Was im Italienischen gilt

Im Italienischen ist la Nutella weiblich, weil la crema weiblich ist. Wer sich daran orientiert, kommt zu die Nutella.

Übertragen lässt sich das aber nicht ohne Weiteres. Das Deutsche übernimmt das Geschlecht fremder Wörter oft nicht — la macchina ist weiblich, das Auto im Deutschen sächlich.

Die Haltung des Herstellers

Ferrero hat sich mehrfach dazu geäußert und keine Festlegung getroffen: Jeder solle es so verwenden, wie er möchte. Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar — die Diskussion selbst hält die Marke im Gespräch.

In der Werbung wird der Name deshalb konsequent so eingesetzt, dass kein Artikel nötig ist. Wer die Verpackung ansieht, findet keinen Hinweis.

Wie man es im Text löst

In geschriebener Sprache empfiehlt sich eine der beiden Duden-Formen, konsequent durchgehalten. Ein Wechsel innerhalb desselben Textes fällt unangenehm auf.

Wer sich nicht entscheiden will, formuliert um: Nutella steht auf dem Tisch braucht keinen Artikel. Dasselbe gilt für ein Glas Nutella oder Nutella aufs Brot.

Andere Marken mit demselben Problem

  • Cola: die Cola ist Standard, das Cola in Österreich und der Schweiz verbreitet
  • Joghurt: der, die und das stehen alle im Duden
  • Tesa: das Tesa oder der Tesa — regional verschieden
  • Lego: das Lego, seltener der Lego
  • Uhu: der Uhu, angelehnt an den Vogel
  • Whatsapp: das Whatsapp — angelehnt an das Programm

Ein Muster ist erkennbar: Wo ein deutscher Oberbegriff naheliegt, setzt sich dessen Geschlecht durch. Wo mehrere Oberbegriffe möglich sind, bleibt es strittig.

Warum solche Streitfragen so hartnäckig sind

Das Geschlecht eines Wortes lernt man ohne Regel, allein durch Hören. Deshalb fühlt sich die eigene Variante richtig an und jede andere falsch — es ist die vertraute, nicht die begründete Form.

Sprachwissenschaftlich ist der Fall unspektakulär: Schwankendes Genus bei Lehnwörtern und Markennamen ist normal und war es immer. Es verschwindet erst, wenn sich eine Form über Generationen durchsetzt.

Wie das Deutsche mit neuen Wörtern umgeht

Jedes Jahr kommen hunderte Wörter ins Deutsche, und jedes braucht ein Geschlecht. Die Sprache verteilt es nicht zufällig, sondern nach erkennbaren Mustern.

Nach dem Oberbegriff. Die E-Mail, weil die Post und die Nachricht weiblich sind. Der Laptop, weil der Rechner männlich ist.

Nach der Endung. Wörter auf -ing sind meist sächlich — das Marketing, das Timing. Wörter auf -er, die ein Gerät bezeichnen, meist männlich — der Scanner, der Server.

Nach dem Klang. Endet ein Wort auf -a, wirkt es weiblich; endet es auf einen Konsonanten, eher männlich.

Bei Nutella greifen mehrere Muster gleichzeitig und führen zu verschiedenen Ergebnissen. Genau das ist der Grund für den Streit.

Wenn sich eine Form durchsetzt

Schwankendes Genus ist meist ein vorübergehender Zustand. Bei das Radio war lange auch der Radio üblich, bei der Butter in Süddeutschland bis heute — im Standard hat sich die Butter durchgesetzt.

Wie lange das dauert, hängt davon ab, wie häufig ein Wort gebraucht wird. Alltagswörter klären sich schneller. Bei Nutella hält sich die Doppelung seit Jahrzehnten — und die Debatte darüber gehört inzwischen selbst zum Produkt.

Was das für den Alltag heißt

Praktisch ist die Sache entspannt: In einem Gespräch versteht jeder, was gemeint ist, unabhängig vom Artikel. In einer Klassenarbeit werden beide Duden-Formen als richtig gewertet.

Wer sich unsicher fühlt, kann sich an einer einfachen Überlegung orientieren: Was steht im Kopf — das Glas oder die Creme? Danach richtet sich die eigene Form, und die ist so gut wie die andere.

Der Streit als Werbung

Dass eine Frage nach einem Artikel es regelmäßig in die Nachrichten schafft, ist bemerkenswert. Marken zahlen viel Geld für Aufmerksamkeit dieser Art.

Es zeigt zugleich, wie sehr Sprache mit Zugehörigkeit verknüpft ist: Wer eine Form verteidigt, verteidigt die Sprechweise seiner Herkunft und seines Umfelds. Die Heftigkeit solcher Debatten hat selten mit Grammatik zu tun.

Häufige Fragen

Heißt es die oder das Nutella?

Beides steht im Duden.

Ist der Nutella falsch?

Es gilt nicht als Standard, ist aber weit verbreitet.

Was sagt der Hersteller?

Er legt sich bewusst nicht fest.

Wie ist es im Italienischen?

Dort heißt es la Nutella, also weiblich.

Was macht man im Text?

Eine Form wählen und durchhalten oder den Artikel vermeiden.

Gibt es weitere solche Fälle?

Ja, etwa Cola, Joghurt und Tesa.

Wonach richtet sich das Geschlecht neuer Wörter?

Nach Oberbegriff, Endung und Klang.

Wird sich eine Form durchsetzen?

Vermutlich irgendwann – bisher hält sich die Doppelung.

Warum wird darüber so heftig gestritten?

Weil die eigene Form für die vertraute Sprechweise steht.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.


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