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Kurz gesagt: haben wird unregelmäßig gebeugt: ich habe, du hast, er hat, wir haben, ihr habt, sie haben. Im Präteritum hatte, im Perfekt gehabt. Zusätzlich dient es als Hilfsverb zur Bildung zusammengesetzter Zeiten.
Wer haben beherrscht, kann fast alle Vergangenheitsformen des Deutschen bilden.
Präsens
ich habe · du hast · er/sie/es hat · wir haben · ihr habt · sie/Sie haben
In der zweiten und dritten Person fällt das b weg: nicht „du habst“, sondern du hast.
Präteritum
ich hatte · du hattest · er/sie/es hatte · wir hatten · ihr hattet · sie/Sie hatten
Anders als bei den meisten Verben ist das Präteritum von haben auch in der gesprochenen Sprache üblich: Ich hatte keine Zeit klingt natürlicher als Ich habe keine Zeit gehabt.
Perfekt und Plusquamperfekt
Perfekt: ich habe gehabt, du hast gehabt, er hat gehabt …
Plusquamperfekt: ich hatte gehabt, du hattest gehabt …
Futur
Futur I: ich werde haben · du wirst haben · er wird haben …
Futur II: ich werde gehabt haben …
Konjunktiv
Konjunktiv I (indirekte Rede): ich habe · du habest · er habe · wir haben · ihr habet · sie haben
Konjunktiv II (Wunsch, Bedingung): ich hätte · du hättest · er hätte · wir hätten · ihr hättet · sie hätten
Hätte ich das gewusst …
Imperativ
hab (du) · habt (ihr) · haben Sie
Hab keine Angst.
Haben oder sein im Perfekt?
Mit haben stehen alle Verben mit Akkusativobjekt und die meisten Verben ohne Ortsveränderung: Ich habe gegessen. Er hat geschlafen.
Mit sein stehen Verben der Ortsveränderung und der Zustandsänderung sowie sein, bleiben, werden: Ich bin gefahren. Sie ist eingeschlafen.
Im süddeutschen und österreichischen Raum wird sein weiter gefasst: Ich bin gesessen gilt dort als korrekt.
Haben als Vollverb
Neben seiner Rolle als Hilfsverb ist haben ein vollwertiges Verb mit der Bedeutung besitzen: „Ich habe ein Fahrrad.“ In dieser Verwendung steht kein weiteres Verb im Satz. Die Formen sind dieselben.
Als Vollverb kommt haben in zahlreichen festen Wendungen vor: Hunger haben, Recht haben, Angst haben, es eilig haben. Solche Wendungen werden ohne Artikel gebildet. Sie sind für Lernende besonders wichtig, weil sie täglich vorkommen.
Im Deutschen wird haben zudem für Alter und Befindlichkeit verwendet, wo andere Sprachen sein einsetzen. Dieser Unterschied führt bei Übersetzungen regelmäßig zu Fehlern. Er sollte früh eingeübt werden.
Die Perfektbildung im Detail
Die meisten Verben bilden das Perfekt mit haben, insbesondere alle transitiven Verben mit Akkusativobjekt. Verben der Bewegung mit Ortsveränderung und der Zustandsänderung nehmen sein. Dazu kommen die Sonderfälle sein, bleiben und werden.
Einige Verben können beides, je nach Bedeutung: „Ich habe das Auto gefahren“ gegenüber „Ich bin nach Berlin gefahren“. Im ersten Fall steht ein Objekt, im zweiten eine Ortsveränderung. Diese Unterscheidung ist die verlässlichste Probe.
Im süddeutschen und österreichischen Sprachraum werden einzelne Verben abweichend mit sein gebildet, etwa liegen, sitzen und stehen. Beide Varianten gelten als standardsprachlich korrekt. In Prüfungen wird meist die norddeutsche Form erwartet.
Der Konjunktiv II und seine Verwendung
Der Konjunktiv II von haben lautet hätte und wird für Irreales, Wünsche und höfliche Formulierungen verwendet. „Ich hätte gern einen Kaffee“ ist die gebräuchlichste Form der höflichen Bitte im Deutschen. Sie ersetzt den Imperativ.
Zusammen mit einem Partizip bildet hätte die Vergangenheitsform des Konjunktivs: „Ich hätte das gewusst.“ Damit lassen sich verpasste Möglichkeiten ausdrücken. Diese Konstruktion ist im Alltag sehr häufig.
Bei den meisten schwachen Verben ist der Konjunktiv II formgleich mit dem Präteritum, weshalb ersatzweise die Umschreibung mit würde verwendet wird. Bei haben ist das nicht nötig, weil hätte eindeutig ist. Deshalb gilt die würde-Form hier als schlechter Stil.
Der Konjunktiv I in der indirekten Rede
Der Konjunktiv I von haben lautet habe und dient der indirekten Rede: „Er sagte, er habe keine Zeit.“ Damit wird gekennzeichnet, dass eine Aussage wiedergegeben und nicht selbst behauptet wird. In Nachrichtentexten ist das Standard.
Ist die Form nicht vom Indikativ unterscheidbar, weicht man auf den Konjunktiv II aus. Bei haben tritt dieser Fall nur in der ersten Person Singular auf. Deshalb ist habe die übliche Form.
Im Alltag wird die indirekte Rede häufig mit dass-Sätzen und Indikativ gebildet. Das ist zulässig, aber weniger präzise. In journalistischen und juristischen Texten bleibt der Konjunktiv I üblich.
Typische Fehler
Ein häufiger Fehler ist die doppelte Perfektbildung wie „ich habe gehabt gewusst“. Solche Formen entstehen durch Übertragung aus dem Dialekt. Standardsprachlich sind sie nicht zulässig.
Zweiter Klassiker ist die falsche Wahl des Hilfsverbs bei Bewegungsverben, etwa „ich habe gelaufen“ statt „ich bin gelaufen“. Die Probe über Ortsveränderung und Objekt löst das zuverlässig. Sie sollte automatisiert werden.
Drittens wird in der zweiten Person Singular gelegentlich ein zusätzliches s eingefügt. Richtig ist du hast, ohne weitere Endung. Diese Form ist unregelmäßig und muss gelernt werden.
Wie man die Formen einübt
Wirksam ist, die Formen nicht als Tabelle, sondern in kurzen Sätzen zu lernen, die im Alltag vorkommen. „Hast du Zeit?“ prägt sich besser ein als eine Endungsliste. Der Satz liefert einen Kontext.
Sinnvoll ist außerdem, jeweils eine Zeit vollständig zu beherrschen, bevor die nächste dazukommt. Wer alle Zeiten gleichzeitig übt, verwechselt sie. Präsens und Perfekt reichen für den Anfang.
Fünf bis zehn Minuten täglich bringen mehr als eine lange Einheit pro Woche. Wiederholung in kurzen Abständen ist gut untersucht. Sie gilt für alle Konjugationen gleichermaßen.
Häufige Fragen
Heißt es „du hast“ oder „du habst“?
Du hast.
Wie lautet das Partizip II?
Gehabt.
Wann nimmt man „hätte“ statt „habe“?
Bei Bedingungen und Wünschen sowie in der indirekten Rede, wenn der Konjunktiv I mit dem Indikativ zusammenfällt.
Wann steht sein statt haben im Perfekt?
Bei Ortsveränderung und Zustandsänderung.
Wofür braucht man hätte?
Für Irreales, Wünsche und höfliche Bitten.
Welche Form nutzt die indirekte Rede?
Den Konjunktiv I, also habe.
Quellen
Geschrieben von Bella, Redaktion grammatikguru.de — sie schreibt hier über Rechtschreibung, Grammatik und Zweifelsfälle.





